5 Wahrheiten und Irrglauben über China

In China wird ausschließlich Reis gegessen!

Falsch.

Natürlich hat Reis nach wie vor einen hohen Stellenwert in der chinesischen Küche.

Während der pro Kopf Verbrauch in Österreich durchschnittlich bei ca. 3 kg pro Jahr liegt, verbrauchen Chinesen pro Jahr ca. 48 kg.

Dennoch merkt man, dass Reis zu essen gerade in wohlhabenderen Kreisen nicht als zeitgemäß empfunden wird. In Restaurants wird normalerweise kein Reis zum Essen serviert, man muss diesen separat und explizit zum Hauptgang bestellen, denn er wird ansonsten am Ende des Essens serviert, um den ggf. noch vorhandenen Hunger zu stillen.

Somit merkt man, dass Reis gerade in Städten wie Shanghai, Beijing ja und auch bei uns in Nantong in Lokalen eher weniger gegessen wird.

Dies gilt natürlich nicht für ländlichere Regionen wo Reis nach wie vor eines der Hauptnahrungsmittel ist. Gerade auch weil die Auswahl an Alternativen nicht so groß ist.

Denn das muss man auf jeden Fall anmerken, die Auswahl an Lebensmitteln in China ist – zumindest bei uns – riesig!

Was viele auch nicht wissen ist, dass Nudeln zum Beispiel auch ihren Ursprung in China haben. Ja richtig gehört, NUDELN.

Egal ob in Suppen, oder Dry Noodels (also ohne Suppe), sie sind fast immer handgemacht und mega lecker!! Und da diese ebenfalls sehr günstig hergestellt werden können, werden sie sehr oft anstelle von Reis gegessen.

Was ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen muss und sehr traurig finde ist, dass die großen Fast Food Ketten wie KFC, Burger King, McDonald’s usw. immer mehr und mehr werden und extremen Anklang finden.

Natürlich handelt es sich hierbei um Mahlzeiten die sich nicht Jeder laufend leistet, da es doch im Vergleich zu chinesischem Essen teuer ist, aber gerade im Mittelstand halten diese Ketten Einzug in das alltägliche Leben – was ich sehr bedenklich finde. Das Interesse an internationalen Dingen wird in diesem Fall stark ausgenützt.

In China wird rund um die Uhr gearbeitet!

Teilweise.

Sobald hinter einem Projekt ein gewisser Zeitdruck steht, wird tatsächlich rund um die Uhr gearbeitet. Bei uns in Nantong wird zum Beispiel gerade eine U-Bahn gebaut. Die Eröffnung der ersten Linien soll anscheinend noch 2020 erfolgen. Ich bin ja kein Spezialist, aber im Moment sieht es noch nicht danach aus….

Entsprechend wird auch bei den U-Bahnen meist Tag und Nacht gearbeitet.

Was das normale Arbeitsleben zB.: eines Büromitarbeiters betrifft, sieht die Sache schon wieder anders aus. Die Bilder mit Leuten, die in der Metro schlafen, eventuell in einem Nap Cafe oder einer Schlafkapsel ein Nickerchen machen, um dann anschließend gleich wieder an die Arbeit zu gehen, stammen großteils auch Japan.

Wenn jemand in Japan vor Müdigkeit fast vom Sessel fällt, gilt das meist als Zeichen dafür, dass er sehr hart arbeitet. Dieses gesellschaftliche Bild ist in China nicht stark ausgeprägt.

Es wird zwar nach wie vor verpönt wenn jemand keinen Job hat (auch nicht wenn eigentlich genug Geld da wäre um nicht arbeiten zu müssen), eine starke Bindung zum Unternehmen ist meist nicht vorhanden. Dadurch wird es auch oft nicht als notwendig erachtet, mehr Leistung zu erbringen als gefordert wird. Gerade auch weil in vielen chinesischen Unternehmen Überstunden nicht ausbezahlt werden.

Ich bin mir nicht sicher ob diese Thematik nicht auch mit der generellen Struktur im Land verbunden ist. China hat so gut wie keine Arbeitslosen, da es für jede Arbeit eine eigene Person gibt. Eine normale Reinigungskraft zum Beispiel ist nicht für das Putzen der Fenster zuständig. Für diese Tätigkeit gibt es wieder jemand anders.

Daher auch die Mentalität in andere Bereiche einzumischen – vor allem um nicht jemand anderen vor den Kopf zu stoßen…

Diese Frage universell zu beantworten ist meiner Meinung nach nicht möglich. Ich denke, dass es durchaus auch in China Bereiche und Personen gibt die ihr Leben der Arbeit widmen, dies trifft jedoch nicht auf den Mittelstandseinwohner zu.

China ist eines der sichersten Länder der Welt!

Teilweise.

Tatsächlich hatte ich in China noch nie Angst ausgeraubt, entführt oder bedroht zu werden. Daher denke ich schon, dass China in Hinblick auf das Thema Kriminalität ein sehr sicheres Land ist.

In welchem Land kann man als Frau nachts um 2 allein nach Hause gehen ohne Angst haben zu müssen?

Meiner Meinung nach kommt dies unter anderem daher, dass große Teile Chinas stark überwacht sind. Erwähnen sollte man aber auch, dass das Aggressionspotential hier – meiner Meinung nach – niedriger ist als in anderen Ländern.

Egal woher es kommt, diesen Umstand der Sicherheit schätze ich sehr!

Anders sieht es dann auf den Straßen aus.

Denn hier sind wir weit weg von Sicherheit! Es wird gehupt, gedrängelt, geschnitten und generell keine Rücksicht auf jemand anderen genommen. Nach dem Motto: jeder ist sich selbst der Nächste.

Ich weiß wirklich nicht woran das liegt, aber sobald keine Verkehrskamera in Sichtweite ist, werden sämtliche Regeln über Bord geworfen. Und da es keine mobilen Radars oder Kameras gibt, sind die Strecken wo die Regeln befolgt werden, leider relativ wenige.

Nicht nur einmal kam ich in die Situation, dass wir nur knapp einem Unfall entgangen sind der leicht vermeidbar gewesen wäre, wenn mit etwas mehr Rücksichtnahme gefahren worden wäre.

Hätten wir in diesen Fällen nicht aufgepasst, wer weiß was dann passiert wäre….

Also ja, China ist sicher in Hinblick auf Überfälle und Gewalttaten aber geht man auf die Straße (egal ob im Auto, mit dem Ebike oder als Fußgänger) sollte man auf jeden Fall Vorsicht walten lassen!

In China geht alles schneller!

Ja und Nein.

Denkt man an den Fortschritt den China in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, muss man diese Aussage eindeutig mit Ja beantworten.

Gerade auch was den technischen Fortschritt betrifft. Ich kenne kein zweites Land in dem das tägliche Leben fast komplett mit dem Smartphone gesteuert werden kann (ob das gut ist sei dahingestellt), sich so viel in den sozialen Medien wie WeChat abspielt oder die Menschen generell so viel Zeit am Handy verbringen.

Ebenso ist es bei Angelegenheiten die der Staat entscheidet.

Es wurde zum Beispiel einmal ca. zwei Monate vor Umsetzung veröffentlicht, dass die Steuer reduziert wird – mit keinerlei Übergangsfristen!!

Oder der Beschluss die Helmpflicht für Motorräder einzuführen, auch hier fiel die Entscheidung ca. 3 Monate vorher.

Bauvorhaben werden diskutiert , beschlossen und falls notwendig Leute umgesiedelt. Sobald eine Entscheidung getroffen wurde, wird sie durchgeboxt – komme was wolle.

Wie schon erwähnt ich finde nicht, dass dies immer gut ist. Denn oftmals werden die Konsequenzen vielleicht nicht ausreichend beleuchtet. Aber:

In welchem anderen Land würde das alles so schnell möglich sein? In Österreich sicher nicht. Wir diskutieren jahrelang über die Einführung eines Rauchverbotes in Lokalen, um dann anschließend wieder eine Zwischenlösung anstatt einer generellen Entscheidung zu verabschieden.

Wie überall gibt es dann aber auch die anderen Seiten. Habt ihr schon mal versucht „schnell“ eine Überweisung auf der Bank zu tätigen? Oder einen Behördengang zu machen. Für solche Fälle, darf man dann gut und gerne einen halben Tag einplanen.

Interessanterweise wird auf sämtlichen Behörden noch viel mittels Papier erledigt während in anderen Bereichen so fortschrittlich gearbeitet wird. Daher dauert dann auch oft die Bearbeitung so lange.

Die meisten Chinesen können Kung Fu!

Falsch.

Bevor wir nach China gegangen sind, hatte ich ein Bild von einem Land im Kopf in dem Kampfkunst einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat.

Gerade auch viele Filme (u. a. mit Bruce Lee, Jackie Chan) vermitteln diesen Eindruck. Natürlich hat das dort gezeigte Kung Fu nicht viel mit dem ursprünglichen Ansatz zu tun. Im traditionellen Kung Fu geht es vor allem um das Erlernen von Respekt, Pünktlichkeit, Disziplin und Gehorsam. Also nicht um das Kämpfen selbst.

Umso enttäuschter war ich, als wir dann angekommen sind und nach mehrmaligem Fragen Niemanden gefunden haben der des Kung Fu’s mächtig ist.

Wenn man dann einen Einheimischen fragt, ob sie jemanden kennen der eine Kampfsportart beherrscht, hört man maximal Kickboxen oder normales Boxen.

Mich verwundert das immer noch, denn nach wie vor wird behauptet, dass Kung Fu tief in der Gesellschaft verankert ist. Aber wo?

Ich hatte mich auch bei einem Kollegen erkundigt und er meinte, dass es wohl ein paar Stunden entfernt von Nantong eine Kung Fu Schule gibt. Auch nicht gerade um die Ecke….

Er erklärte dann auch, dass aufgrund des hohen Zeitaufwands der sowohl von Eltern als auch von Kindern für die schulische Ausbildung benötigt wird, nicht mehr viel Zeit bleibt ein derartiges Hobby auszuüben. Meist wird dann doch das Erlernen eines Instruments vorgezogen.

Ich finde das nach wie vor schade, habe dann aber an Österreich gedacht und auch bei uns werden Traditionen leider im Zuge der Modernisierung vergessen oder nicht mehr so stark weitergeführt.

Naja, also dieses Kapitel hatte ich damit abgehakt, denn bis jetzt kenne ich keinen Chinesen der Kung Fu beherrscht.

Fazit

Wie ihr an den Antworten schon seht, muss man solche Aussagen immer mit Vorsicht betrachten und darf nicht alles glauben was einem die Medien und andere Industrien vermitteln wollen.

Denn es gibt nicht nur eine Seite der Medaille!

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