Silvester im eisigen Norden Chinas

Bereits anfänglich als wir nach China kamen, wurde uns Harbin als ein Must-See genannt.

Für alle die noch nie etwas davon gehört haben: im Nordosten Chinas – relativ nahe der russischen Grenze – liegt die Stadt Harbin, welche vor allem für ihr Eis- und Schneefestival bekannt ist.

Einmal im Jahr, beginnend mit Ende Dezember, werden in der ganzen Stadt Skulpturen aus Eis gehauen. Die zwei größten Ausstellungsflächen beinhalten dann ganze Gebäude aus Eis – teilweise Nachbildungen berühmter Sehenswürdigkeiten, teilweise Neugestaltungen. Zum Beispiel Paläste, Brücken, Kathedralen oder Türme um nur ein paar Dinge zu nennen.

Aber wie gesagt verwandelt sich fast die ganze Stadt während dieser Zeit in eine einzige Ausstellungsfläche. Anscheinend arbeiten über 10.000 Arbeiter, darunter auch viele Freiwillige, ca. drei Wochen lang um diese Welt aus Eis und Schnee zu erschaffen.

Das ganze Eis hierfür kommt aus dem nahe gelegenen Fluss. Mit Schwingsägen werden zuerst ganze Blöcke herausgeschnitten, die anschließend von den Künstlern (und hierbei handelt es sich wirklich um wahre Künstler!) mit allem möglichen Werkzeug wie Meißeln, Hammer, Eispickeln oder auch Motorsägen (Arbeitssicherheit?) in Form gebracht werden.

Zusätzlich werden die Skulpturen von innen mit LEDs beleuchtet.

Wie man sich vorstellen kann, sind entsprechend niedrige Temperaturen von Nöten um sowohl das Eis entstehen zu lassen und die Skultpuren aufrecht zu erhalten.

Das war auch das für Stefan Abschreckende – wir sprechen hier immerhin von Durchschnittstemperaturen von -17 Grad.

Meine Kollegin Petra und mich hielt dies aber nicht davon ab die Reise für unsere Männer und uns zu planen – sie mussten mal wieder durch.

Ausgestattet mit Schiunterwäsche und allem dicken Wintergewand das wir hatten, ging es dann mit dem Flieger am 29.12. von Nantong nach Harbin.

Wir arbeiteten an diesem Tag noch und kamen daher erst spät abends in unserem Hotel an. Unsere Kollegen waren bereits am Tag zuvor angereist und hatten uns bestätigt, dass wir auf keinen Fall zu wenig gepackt hatten. Gebucht hatten wir ein Hotel, dass sich dann als Unterkunft mit Themenzimmern herausstellte (und an sich nebenbei bemerkt sehr speziell war 😉 ).

Was uns jedoch sofort auffiel war, dass im Gegensatz zu Nantong die Häuser hier ähnlich gebaut waren wie in Österreich. Mit richtig dicken Steinwänden, Fußbodenheizung und entsprechend den Aussentemperaturen isoliert.

Das Hotel hatte es wohl etwas gut gemeint und unsere Heizung auf 26 Grad eingestellt. Unser Zimmer glich eher einer Sauna als einem Hotelzimmer. Als wir einzogen, rissen wir erstmal die Fenster auf um die „frische“ Luft (ca. -20 Grad) reinzulassen um nicht in der Nacht einen Hitzetod zu erleiden.

Auf geht’s zum „Sightseeing“

Nachdem wir uns am nächsten Morgen mit dem Frühstück gestärkt hatten, gingen wir los um die Stadt zu erkunden. Wie gesagt, liegt Harbin an der russischen Grenze und diesen Einfluss merkt und sieht man auch. Vor allem die Architektur gleicht jener in Russland. Der Ursprung liegt darin, dass während dem Bau einer Eisenbahn sehr viele Arbeiter aus Russland kamen. Da ein derartiger Bau bekanntlich früher etwas gedauert hat, entwickelte sich die Stadt entsprechend ihren Gastarbeitern. Als die Russen dann abdüsten, blieb die Kultur.

Petra freute sich aber vor allem auf die kulinarischen Ähnlichkeiten und konnte es schon kaum mehr erwarten Krautrouladen zu bestellen.

Unter tags kam es uns noch gar nicht so kalt vor, vor allem weil das Wetter sehr schön war und die Sonne schien. Dennoch kehrten wir alle paar Stunden entweder in einem Kaffee oder einem anderen Shop ein, um uns ein bisschen aufzuwärmen.

Am ersten Tag schlenderten wir einfach ein bisschen durch die Stadt und beobachteten die noch nicht abgeschlossen Vorbereitungen für die große Eröffnung zB.: entlang der Zhongyang Street (die Shoppingmeile in der Innenstadt) – wir hatten uns erst für den 31.12. vorgenommen die große Ausstellung etwas außerhalb der Stadt zu besuchen.

Als es dann aber schön langsam Abend wurde, bekamen wir das richtige Harbin inkl. Wind zu spüren. Ziemlich schnell zog es uns nach drinnen.

Um für den kommenden Silvesterabend gerüstet zu sein, wollten wir uns schon am Vorabend eine Bar suchen wo wir dann „feiern“ konnten. Bedenkt man, dass in China das westliche Silvester nicht gefeiert wird – eine Herausforderung. Aber was machten die Leute in Harbin denn am Wochenende wenn nicht das ein oder andere Bier zu trinken!?

Auf Maps haben wir dann eine Lounge gefunden. Guter Dinge folgten wir dem Navi….

… und landeten prompt in einem Fischrestaurant. Der Kellner war nicht sehr begeistert als wir nur Bier bestellten und wir nicht von der Lokalität.

Also tranken wir aus und setzten unsere Suche fort, um festzustellen dass die gesuchte Paris Lounge einfach die nächste Tür, oder besser gesagt Kellertreppe gewesen wäre.

Wir setzten uns hin und bestellten gerade unseren ersten Drink als der Kellner aus dem Fischlokal mit Martins Tasche in der Hand rein kam. Dankbar, aber doch etwas verwundert wie er uns gefunden hatte, nahm er sie zurück.

Wir schlossen dann auf seine gute Kombinationsgabe – vier Laowei die nichts essen sondern nur trinken wollten -> Bar – und machten uns nicht weiter Gedanken sondern ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Der morgige Silvesterabend war gesichert!

Für den zweiten Tag hatten wir uns wie schon geschrieben das Highlight, die richtige Ausstellung aufgehoben. Wir schliefen etwas länger um dann im Anschluss für Silvester fit zu sein.

Nach dem Frühstück ging es zu Fuß durch den Stalin-Park (wo auch der große Schneemann steht den ihr aus der Kronen Zeitung vielleicht kennt), über den zugefrorenen Fluss in Richtung der großen Eisstadt.

Der Marsch an sich nahm doch etwas Zeit in Anspruch, wir genossen noch die Sonnenstrahlen und bereiteten uns geistig auf den eisigen Abend vor.

An der Eisstadt angekommen kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Sonne spiegelte sich in den unzähligen und beeindruckenden Skulpturen, Palästen, Kathedralen,… aus Eis wunderschön wider.

Bei Nacht sollte das Ganze noch atemberaubender aussehen, daher warteten wir bis sich die Lichter nach Sonnenuntergang einschalteten und wurden nicht enttäuscht!

Die gesamte Stadt erstrahlte in buntem Licht (ich möchte nicht wissen wie hoch der Stromverbrauch von Harbin in dieser Zeit ist) und verlieh dem ganzen Szenario etwas Magisches.

Wären wir nicht schon so durchgefroren gewesen, hätten wir sicher noch mehr Zeit dort verbracht….

Den Rückweg in die Innenstadt legten wir mit dem Bus zurück und suchten uns ein Lokal für unser Abendessen.

Wie ihr vielleicht wisst, wird bei typisch chinesischem Essen immer für alle bestellt (also mehrere Gerichte) und jeder kann sich nehmen was er möchte. Wenn wir das bei uns in Nantong machen kann man durchaus etwas mehr Gerichte bestellen als Personen essen.

Ähm…. in Harbin eher nicht. Die Portionen sind um EINIGES größer und weiters auch sehr fleisch-lastig. Ich denke, dass das wirklich von den Temperaturen kommt. Durch die Kälte benötigen die Menschen mehr Energie.

Die Portionsgrößen in Harbin

Interessant ist auch, dass die Leute im Norden auch größer sind als im Süden. Kommt das eventuell auch vom mehr essen?

Dann müsste ich eigentlich auch größer sein als ich bin…. 🙂

Gestärkt vom Essen und mit guter Unterlage schlenderten wir in unsere „Stammkneipe“, wo uns der Barkeeper beim Bestellen unseres ersten Gin Fizzs ganz trocken mitteilte, dass es kein Eis mehr gab.

WHAT? Eine Stadt aus Eis und keins übrig für die Getränke?

Ich denke er konnte unsere entsetzten Gesichter deuten und verschwand nach draußen um kurz darauf mit einem neuen Block Eis zurückzukommen. Der Abend war gerettet….

Kurz vor Mitternacht bekamen wir vom Barchef noch einen Kracher in die Hand gedrückt um damit gemeinsam mit den anderen Gästen draußen das neue Jahr einzuläuten.

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