„Gibt“ es Weihnachten in China?

Gerade in den letzten Tagen wurde ich immer öfter gefragt ob es denn in China Weihnachten „gibt“?

Die Antwort ist „Jein“.

Wenn man bedenkt, dass Weihnachten einen religiösen Hintergrund und China als kommunistischer Staat offiziell keine Religion hat, wird sehr schnell klar, dass Weihnachten keinen (großen) Stellenwert hat.

Unser Weihnachten

Das bedeutet, dass es keine Weihnachtsfeiertage gibt und wir während dieser Zeit normal arbeiten müssen.

Wenn es sich einrichten lässt nehmen wir uns meist einen Tag (entweder den 24. oder den 25.12.) frei.

Damit dennoch etwas Festtagsstimmung aufkommt, backen wir Kese, dekorieren bei uns in der Wohnung einen Christbaum und verbringen den 24.12. mit Freunden/Arbeitskollegen.

Dort gibt es dann Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelschmarrn (ein traditionelles österreichisches Weihnachtsessen) sowie Punsch oder Glühwein.

Nach dem Essen wird gesungen (schief aber dafür teils mit Elan, die Männer sind meist nicht so begeistert), eine kurze Passage aus der Bibel gelesen die ein Kollege mitgebracht hat und eine kleine Bescherung gemacht.

Durch all diese Sachen holen wir uns ein Stück Heimat nach China!

Vom Handel übernommen

Obwohl es wie oben schon geschrieben Weihnachten offiziell nicht gibt, merken wir dennoch dass der Handel natürlich auf diesen Zug aufgesprungen ist. Denn damit lässt sich viel Geld machen.

Ähnlich wie bei uns in Europa Halloween kein Thema war – viele die Hintergründe bis heute nicht kennen – und dennoch mittlerweile überall Süßes und Kostüme zum Kauf angeboten werden und die Eltern mit ihren Kindern um die Häuser ziehen, so wird auch in China immer mehr Weihnachtsdeko und Co. angeboten.

2017 konnten wir das Meiste nur online kaufen, mittlerweile gibt es auch Vieles in Nantong im Supermarkt.

In Shanghai sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Durch den hohen Anteil an Ausländern gibt es dort auch Weihnachtsmärkte und ähnliche Veranstaltungen (das auch schon länger).

Heuer haben wir es leider nicht geschafft einen Weihnachtsmarkt zu besuchen aber 2017 und 2018 waren wir beim Paulaner Christkindlmarkt und im Restaurant Zeitgeist auf Glühwein und Punsch. Auch wenn es nicht ganz das selbe ist wie zu Hause, kommt ein bisschen Weihnachts-Feeling auf. Für mich ist dieser Besuch etwas Besonderes und ich freue mich immer sehr darauf!

Paulaner Christkindlmarkt

Vor- und Nachteile Weihnachten im Ausland zu verbringen

Obwohl wir natürlich unsere Liebsten (gerade in dieser Zeit) vermissen, hat es auch ehrlich gesagt seine Vorteile Weihnachten im Ausland zu verbringen.

Anders als in Österreich – wo die Meisten über den Vorweihnachtsstress jammern – läuft das bei uns in China (zumindest privat) sehr entspannt ab.

Wir können uns die Zeit einteilen wie wir wollen und die Abende in besinnlicher Zweisamkeit, bzw. wenn wir möchten, mit Freunden verbringen.

Auch während der Feiertage müssen wir keinen sozialen Verpflichtungen nachkommen oder von einer Feier zur nächsten hetzen.

Bitte nicht falsch verstehen, wir genießen die Zeit mit unseren Familien natürlich, aber ich finde dass es dennoch manchmal übertrieben wird – gerade was das Essen betrifft.

Auch uns ist es schon passiert, dass uns kein Verständnis entgegengebracht wurde wenn wir einmal nicht zu einer Feier erschienen sind, weil wir die Zeit zu zweit verbringen wollten. Ich höre das leider von Freunden, die mittlerweile selber bereits eine Familie haben, immer öfters. Das ist schade, denn durch solche kleinen Konflikte und den selbst auferlegten Stress, wird diese schöne Zeit dann überschattet.

Ich möchte einfach nur darauf hinweisen, dass die Vor- und Weihnachtszeit eine besinnliche Zeit sein soll und es ist schade wenn diese bei immer mehr Menschen mehr Stress als Freude verursacht und vielleicht sogar Missmut entsteht…

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir durch die große Entfernung auch dem Geschenkewahn entkommen. Ich selbst beschenke sehr gerne andere und freue mich auch über wohlüberlegte Geschenke die ich selbst bekomme. Für mich ist es jedoch sinnbefreit nur zu schenken um zu schenken.

Ein persönliches Geschenk, bei dem man merkt dass sich der Andere wirklich Gedanken gemacht hat, ist doch weit mehr wert als das 15. Parfüm einer Luxusmarke….

Wie bei allem gilt – in Maßen statt in Massen.

Nun kommen wir zu den Nachteilen: Auch wenn es immer mehr Weihnachtsutensilien und Veranstaltungen gibt muss man sagen, dass dennoch nicht die selbe Stimmung aufkommt wie in Österreich.

Ein einmaliger Besuch am Weihnachtsmarkt ersetzt nämlich nicht das ganze rundherum, den gemeinsamen Punsch nach der Arbeit oder den Rodelausflug am Wochenende mit Freunden.

Und natürlich ist das Nicht-frei-haben ein wesentlicher Nachteil. Gerade am Jahresende ist bei mir in der Abteilung sehr viel zu tun, entsprechend viel Zeit verbringe ich auch in der Arbeit.

Wie bereits oben schon erwähnt, vermissen wir unsere Familien und Freunde sehr! Die Zeit ohne sie zu verbringen ist für uns das größte Manko.

Daher freuen wir uns auch schon extrem darauf das nächste Weihnachtsfest in Österreich zu feiern.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und eine schöne Zeit im Kreise eurer Liebsten!

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