Ein Wochenende in Lishui

Das Dragonboat-Festival stand vor der Tür und wir – wie sollte es anders sein – wollten die freien Tage nutzen um uns wieder etwas anzusehen. Da wir aber nur einen zusätzlichen Tag frei hatten, sollte es nicht so weit weg sein.

Ich wollte schon immer Reisterrassen sehen, also machte ich mich schlau welche es in der Nähe so gibt.

Nach ein bisschen Recherche im Internet wurde ich auf die Yunhe Reisterrassen in Lushui aufmerksam. Angepriesen wurden sie als die schönsten in China – na des hörte sich ja vielversprechend an!

Mit dem Schnellzug war Lishui von Shanghai Hongqiao aus in knapp 3 Stunden zu erreichen – optimal, wir mussten nur zuvor nach Shanghai (und das war an Feiertagen meist nicht so lustig).

Was mich etwas stutzig machte war, dass die Hotels in Lishui nicht allzu begehrt zu sein schienen. Entweder ließen sich viele Reisende vom nicht so gut prognostizierten Wetter abschrecken oder es gab dort wirklich nichts außer die Reisterrassen.

Ursprünglich wollten wir nur eine Nacht dort bleiben, es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass die Reisterrassen – trotz der Nähe zu Lishui – nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen waren und die sind bekanntlich in den Provinzen nicht so zuverlässig. Auch wenn es nur ein paar Stunden von Shanghai entfernt war, würden wir am Tag der Anreise nicht genügend Zeit haben um noch die Terrassen zu besichtigen, daher beschlossen wir doch zwei Nächte zu bleiben.

Als wir mit dem Bus nach Hongqiao unterwegs waren dachte ich noch: „Ich weiß nicht warum die Chinesen immer vor dem Reisen an Feiertagen warnen, es ist doch überhaupt nichts los auf den Strassen“. Es war wirklich so, dass auf dem Weg nach Shanghai fast kein Verkehr von Nantong aus zu sein schien.

Erst als wir in Hongqiao angekommen waren, wurde uns das Ausmass der Menschenmassen bewusst die ebenfalls am Wochenende verreisen wollten.

Hongqiao Railway Station

Hier muss ich aber gleich mal ein Lob an die chinesischen Behörden aussprechen, die wissen wirklich wie man mit Menschenmassen umgeht. Die Unmengen an Urlaubern hat sich auf unsere Reise kaum ausgewirkt, wir hatten keine Verspätung, es kam zu keinen extrem langen Wartezeiten an den Schaltern,…. .

Das Einzige wo es sich bemerkbar machte war, wenn man Essen oder Getränke kaufen wollte – gut dass ich vorgesorgt hatte (man übernimmt ja doch die eine oder andere Angewohnheit wie zum Beispiel: nicht ohne Essen auf Reisen gehen 😉 – wer schon des Öfteren Chinesen auf Flughäfen beobachtet hat weiß wovon ich spreche….).

Die Zugfahrt selbst war relativ unspektakulär und wir kamen pünktlich am späten Nachmittag an.

Vom Bahnhof aus fuhren wir mit dem Bus zu unserem Hotel „Magnotel“, dass doch etwas „abgelegen“ – damit meine ich nicht direkt im Zentrum von Lishui – lag. Mit dem Bus waren wir vom Bahnhof ca. 20 Minuten unterwegs. Für uns war das kein Problem weil wir ja nicht die Stadt selbst besichtigen wollten (ich wüsste auch nicht wirklich was man sich da ansehen wollen würde) sondern die Reisterrassen.

Das Hotel selbst wirkte sehr neu, die Zimmer waren billig (ca. 200 RMB pro Nacht inkl. Frühstück), sauber und das Personal nett.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten ging es zum Abendessen. Ein Hinweis hier für alle Europäer – in Lishui kocht man auch etwas spicy :-).

Wir wollten am nächsten Morgen zeitig raus und versuchten daher an der Rezeption nochmals zu fragen wie wir am Besten nach Yunhe kommen – nach kurzem Versuchen gab ich es dann aufgrund grober Kommunikationsschwierigkeiten auf, ich hatte ja sowieso im Internet bereits das Meiste rausgefunden.

Nach einem chinesischen Frühstück mit Nudeln, warmem Gemüse, Dumplings und Eiern ging es los.

Wir mussten zuerst zurück zur Lishui Station um mit dem Bus nach Yunhe fahren zu können. Das erste Thema war die Busstation (eigentlich kann man das gar nicht so nennen, ein kleiner Ticketschalter trifft es eher) am Bahnhof zu finden. Mit Hilfe einer netten jungen Chinesin, die uns bis vor die Tür begleitete war es dann aber möglich… 🙂

Nach ca. einer Stunde Fahrt kamen wir am „Bahnhof“ Yunhe an, wo wir entweder den Bus nach Chongtou oder ein Taxi nehmen konnten. Ein junges chinesisches Pärchen, dass ebenfalls zu den Terrassen wollte, meinte dann: „Ihr könnt gerne mit uns warten, der Bus kommt sicher gleich….“.

Tja, nach ca. 1,5 Stunden warten kam dann wirklich ein Bus. Dieser war jedoch so klein, dass er offiziell gar nicht genug Platz für alle Reisenden hatte. Natürlich wollten aber alle mit, immerhin hatten wir auch lange genug gewartet.

Wo ein Wille da auch ein Weg!

Unser Busfahrer umging das Problem der Überladung indem ein Teil der Fahrgäste wieder aussteigen, den offiziellen Ausgang des Busbahnhofs nehmen und draußen auf den Bus warten musste. Dieser fuhr ohne Probleme durch das Gate – immerhin gab es ja kein Sicherheitsproblem – und ließ uns anschließend um die Ecke wieder einsteigen.

Méi yǒu wèn tí (kein Problem)!

Ich nahm also auf Stefan’s Schoß Platz, ein paar andere Fahrgäste durften im Gang stehen und los ging die Fahrt.

Sobald wir näher zu den Reisterrassen kamen, verwandelte sich die Fahrbahn in eine Offroad-Piste – natürlich aufgrund der Tatsache dass die Straße gerade umgebaut wurde, nur einen Schotterbelag hatte und es leicht zu regnen begann.

Es trug nicht zur Beschleunigung unserer Geschwindigkeit bei, dass eine Fahrbahn gesperrt und die Straße bergauf an sich sehr schmal war. Wie zu erwarten dauerte es nicht lange und wir waren eingeklemmt zwischen anderen Fahrzeugen und konnten weder nach vorne noch zurück. Zusätzlich war es teilweise so knapp, dass ich Angst hatte unser Bus würde in die Baustelle kippen.

Mittlerweile war es Mittag und ich war mir nicht mehr sicher ob wir jemals noch ankommen würden….

Dann nahm unser Busfahrer (ein älterer Herr der wirklich ein super Autofahrer war!) das Zepter in die Hand und lotste alle Autos die sich mehr oder weniger ineinander verkeilt hatten – es wollte ja niemand einen Zentimeter nachgeben – auseinander sodass der Verkehr wieder zäh ins Laufen kam.

Das Ganze gestaltete sich als Zentimeter-Arbeit, gerade wenn uns ein anderer Bus passierte.

Die Einheimischen, wir waren ja die Einzigen Ausländer in unserem Bus, schienen bereits an die lange Fahrtzeit gewöhnt zu sein und nutzen diese für ein ausgedehntes Nickerchen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich an der Spitze des Berges an, gerade rechtzeitig für einen heftigen Regenschauer. Ich denke Stefan verfluchte zu diesem Zeitpunkt meine Reiselust 😉 .

Trotz oder vielleicht gerade wegen des nicht optimalen Wetters bot sich uns ein toller Anblick! Die Reisterrassen lagen zwischen den Wolken und wirkten so sehr imposant. Für mich hatte sich die lange Anreise bereits gelohnt.

Ausgestattet mit Regenschirmen machten wir uns auf den Weg durch die Reisfelder. Leider war der Reis bereits geerntet und wir konnten nicht direkt sehen wie er angebaut wurde, mich störte das jedoch nicht wirklich.

Trotz der Regenschirme waren wir relativ schnell durchnässt – Gott sei Dank war es ein richtig warmer Regen…

Wir beschlossen aber einen frühen Bus zurück zu nehmen – gerade weil wir wussten wie lange die Fahrt nach unten dauern würde.

Nach weiteren ca. 4 Stunden Fahrt kamen wir im Hotel an, wo wir die letzte Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen ging es von Lishui aus zurück nach Nantong über Shanghai – ohne weitere Vorkommnisse.

Auch wenn wir relativ Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln auf der Straße verbrachten, hat sich der Ausflug für mich auf jeden Fall gelohnt.

Man sollte jedoch genug Zeit für die An- und Abreise einplanen wenn man nicht die Möglichkeit hat mit dem eigenen Auto zu fahren.

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