Schafe, Steppe und Dschingis Khan

Die meisten kennen vermutlich das Lied über Dschingis Khan, aber wer von euch hat schon einmal richtig hingehört und die Herkunft dieses Anführers und angeblichen Frauenhelden herausgehört?

Im Text heißt es so schön „Lasst und Vodka holen, denn wir sind Mongolen“. Und darum geht es heute auch, das letzte Reiseziel meiner Kollegin Petra und mir – die Innere Mongolei.

Die Innere Mongolei hört sich als Reiseziel jetzt nicht so sexy an, uns hat aber vor allem der Gegensatz der dort zu finden ist gereizt. Von Steppe über Wüste bietet diese Region alles.

Wir wollten ja eigentlich bereits letztes Jahr im Sommer in den chinesischen Norden, haben das aber aufgrund der Flugpreise dann nochmals verschoben und stattdessen Busan besucht.

Da aber die chinesische Regierung im April kurzfristig beschlossen hatte den Mai-Feiertag von 2 auf 4 aufeinander folgende Tage zu ändern, fassten wir den Entschluss den aufgeschobenen Urlaub hier nach zu holen.

Unsere Männer waren, wie vorherzusehen, von unserer Wahl nicht gerade begeistert und so beschlossen wir wieder einmal einen Mädelstrip zu machen.

Eine chinesische Kollegin, die ursprünglich aus der Mongolei kommt, gab uns den Tipp von Nanjing aus nach Hohhot – die Hauptstadt der Mongolei – zu fliegen. Hier waren die Flüge um einiges günstiger als von Shanghai aus.

Also buchten wir den Schnellzug von Nantong nach Nanjing (ca. 2 Std.20 Min. Fahrt). Vom Bahnhof Nanjing mussten wir noch 1 Std. 20 Min. zum Flughafen. Unser Flug ging um kurz vor 17 Uhr – sollte also kein Problem sein.

Fast hätte unsere Reise schon mit einem Malheur begonnen.

Wir hatten zwar dran gedacht unsere Tickets vorab online zu kaufen – es war ja immerhin Feiertag und da reist halb China – jedoch hatten wir nicht daran gedacht, dass wir die Tickets am Schalter noch abholen mussten.

Nachdem wir ca. 15 Min. angestanden waren – und ich fast zwei Mal einen Chinesen der sich vorgedrängt hat zur Seite gefasst hätte – hatten wir noch 5 Min. bis unser Zug abfuhr. Da waren wir aber noch nicht durch die Sicherheitskontrolle.

Der Sicherheitsbeamte der unser Ticket kontrollierte sah es an, sah dann seelenruhig auf seine Uhr (ja wir wussten dass wir spät dran waren) – da riss ihm Petra dieses schon aus der Hand und wir sprinteten los.

In letzter Minute erreichten wir den Zug und stiegen ein – einfach in irgendein Abteil. Da stellten wir fest, dass wir am falschen Ende des Zugs eingestiegen und dieser in zwei Teile gegliedert war – verdammt! Wir mussten noch einmal ein- und im nächsten Abteil wieder einsteigen.

Auch das schafften wir noch und ließen uns anschließend außer Atem und leicht verschwitzt auf unsere Plätze fallen.

Na das konnte ja noch ein Spaß werden, hoffentlich ging es uns in Nanjing nicht ähnlich.

Die weitere Anreise verlief Gott sei Dank problemlos und wir kamen um 20:45 in Hohhot an. Für die erste Nacht hatten wir uns ein Zimmer im Anda Guesthouse gebucht, die für uns gegen einen geringen Aufpreis auch einen Pickup vom Flughafen organisiert hatten.

Über das Hostel hatten wir für den darauffolgenden Tag einen Ausflug ins Xilamuren Grassland inkl. Übernachtung und am nächsten Tag einen Ausflug in die Wüste gebucht. Der Preis war im Vergleich zu anderen Touren niedriger und wir erhofften uns aufgrund der Rezensionen im Internet keinen Massentourismus.

Nachdem wir eingecheckt hatten, tranken wir noch unser erstes mongolisches Bier – das uns mit seinen 5 % Alkohol überraschte.

Anschließend bezogen wir unser Zimmer – das übrigens zwar schon etwas älter, jedoch sauber und somit total in Ordnung war. Das ganze Gebäude an sich erinnerte an ein Studentenheim – was auch das Gemeinschaftsbad bestätigte. Glaubt mir, mehr als Katzenwäsche wollten wir darin nicht machen…. .

Am nächsten Morgen konnten wir noch bei strahlendem Sonnenschein im Hof frühstücken (Petra bestellte mutig dass mongolische Frühstück dass aus gepuffter Hirse in Schlagobers bestand), bevor es gemeinsam mit einer netten Französin, einem Australier und zwei Südkoreanern Richtung Grassland ging. Die Fahrt sollte ca. 3 Stunden dauern.

Davor merkte unser Guide Lily ein paar Mal an, dass wir die Toilettenpausen am Weg dorthin nutzen sollten, da es bei der mongolischen Familie nur eine „natural toilet“ geben würde…. 🙂

Während der Fahrt ins Grassland konnten wir bereits die Landschaft genießen, generell gibt es in der Mongolei viiiiiieeeelll Landschaft – vor allem wenn man es mit Shanghai Umgebung vergleicht.

Die große Gemeinsamkeit besteht darin, dass auch in der Mongolei alles im Umbau ist, es werden Straßen gebaut, Städte ausgebaut, usw…..

Zwei Worte beschreiben China im Großen und Ganzen aktuell am Besten: UNDER CONSTRUCTION!

Als wir uns unserem Ziel näherten – zumindest dachten wir das aufgrund der Fahrtzeit – erschreckten wir kurz, da wir an richtigen Jurten-Parks mit einem Zelt neben dem anderen vorbei kamen. Das konnte man wohl kaum als ursprüngliche mongolische Lebensweise bezeichnen. Daher waren wir umso glücklicher, dass wir an diesen vorbei fuhren und auf einen richtigen Feldweg abbogen. Nicht um sonst waren wir wohl mit einem Landrover unterwegs.

Die Landschaft war hier dünner besiedelt und nach ein paar weiteren Minuten Fahrt waren wir an unserem Ziel angekommen. Vor uns hatten wir zwei kleine Häuschen mit Schaf- und Kuhgehege sowie 5 Jurten die sich über das Grundstück erstreckten.

Nach dem Mittagessen, das überraschenderweise kein Schafsfleisch enthielt (wir dachten wir würden die ganze Zeit nur Schaf essen), ging es für die anderen zum Reiten. Petra und ich hatten dieses nicht gebucht, da wir uns nicht sicher waren wie die Tiere behandelt werden.

Wir vertrieben uns den Nachmittag mit Bogenschießen, ein bisschen Spazieren gehen und Bier trinken bis die anderen retour kamen. Es war ein sehr gemütlicher Tag und einfach einmal Nichts zu tun und die Stille zu genießen (weit weg vom Straßen- und Großstatdlärm) tat richtig gut.

Die anderen erzählten uns dann, dass der Ausritt sehr nett war und die Pferde gut behandelt wurden – somit konnten wir mit ruhigem Gewissen am nächsten Tag am Kamelritt in der Wüste teilnehmen.

Gemeinsam mit unseren Mitreisenden spielten wir Shagai – ein mongolische Geschicklichkeitsspiel, dass aus Schafsknochen, genau genommen aus den Fersenknochen, hergestellt wird. Die vier Flächen des Knochen stellen jeweils ein anderes Tier dar – Pferd, Kamel, Ziege und Schaf.

Ziel ist es durch das Schnipsen einer bestimmten Form, die gleich Form zu treffen und somit Spielsteine in seinen Besitz zu bringen. Dabei darf kein andere Stein berührt werden, sonst ist der Zug zu Ende. Der Spieler mit den meisten Steinen gewinnt. Die erste Schwierigkeit als Neuling besteht vor allem darin die unterschiedlichen Formen auseinander halten zu können.

Anschließend aßen wir gemeinsam zu Abend bevor wir dann gemeinsam ausrückten um unseren Brennstoff für das Lagerfeuer zu sammeln – getrockneten Kuhdung. 🙂 Warum? wird sich jetzt der Eine oder Andere fragen…. Naja wenn man die Steppe so betrachtet ist schon auffällig, dass hier nicht viele Bäume wachsen. Also halfen sich die Leute ursprünglich damit ab was sie hatten – Kuhfladen. Denn davon hatten sie reichlich.

Und weil es schon recht kalt wurde und wir laut den Mongolen nicht richtig ausgestattet waren, bekamen wir von unserem Guide Lily dafür die richtige Kleidung – ein Kommunistenjackerl dass bis zum Boden reichte, zumindest bei mir.

Mit den Sternen auf den Knöpfen und den (Kunst)pelz-Einsätzen war das nicht nur sehr authentisch sondern auch super warm.

Damit konnte man auch bei Minusgraden überleben. Die hätten wir in Harbin gebraucht….

Wir überlegten wirklich kurz uns so einen Mantel anzuschaffen. Gerade als wir feststellten, dass sie auf Taobao für einen Spottpreis zu haben waren.

Während die anderen Genossen fleißig unser Brennmaterial einsammelten, nahm ich notgedrungen die Aufgabe des Supervisors ein, denn es war keine Mistgabel mehr übrig – welch Pech. Aber wie wir bereits gelernt haben – es gibt für jeden eine Aufgabe.

Nachdem wir genügend gesammelt hatten um ein paar Stunden zu heizen, kamen wir bei einem gemütlichen Lagerfeuer und ein paar Bier zusammen (die beiden Koreaner bei ein paar mehr Bier als wir).

Lily war sehr gesprächig und erzählte uns nicht nur wie es zur Teilung des monglischen Reiches kam, wir diskutierten auch über (nicht vorhandene) Schwulenrechte in China sowie die Heirats- und Familienpolitik. Es war interessant zu hören wie sich gaaaanz langsam die Einstellung mancher jungen Chinesen zu diesen Themen ändert.

Während wir einen gemütlichen Abend verbrachten und somit den Tag ausklingen ließen, hatte unsere Gastgeberin aus der Familie bereits unter unseren Jurten angeheizt. Tatsächlich gab es in jedem Zeltboden ein Loch in dem Feuer gemacht werden konnte und somit die Hütte von unten heraus geheizt wurde.

So konnten wir dann in eine angenehm warme Schlafstelle zurückkehren.

Am nächsten Morgen beim mongolischen Frühstück – knusprige Hirse in Schlagobers die etwas nach Schaf schmeckte (generell mussten wir feststellen, dass so ziemlich alles ein bisschen nach Schaf schmeckte…. 🙂 ) – erzählte uns Lily dass ein Fuchs in der Nacht zwei Kälber gerissen hatte. Sie zeigte uns gleich mal ein Bild auf ihrem Handy. Für mich kein Problem aber die beiden leicht verkaterten Koreaner sahen darüber nicht so glücklich aus.

Anschließend trennten sich die Wege unserer Gruppe. Während wir noch Richtung Wüste Kubuqi (ich denke dass es die war, auf jeden Fall nicht Gobi, das hätte ich mir gemerkt) fuhren, ging es für die Französin und den Australier zurück nach Hohhot.

Nach weiteren 4 Stunden Fahrt – unser Hintern wurde die letzten beiden Tage auf eine harte Probe gestellt – kamen wir dann bei den Dünen an.

Dort wartete bereits eine Kamelkarawane auf uns und es ging schön gemächlich aber mit viel Holterdiepolter durch die Dünen.

Mein Kamel – dass wohl seinen Holznasenstöpsel verloren und dafür einen aus Plastik bekommen hat – war mit seiner Rolle als Zweiter in der Reihe wohl nicht ganz zufrieden und setzte beim Bergabgehen immer wieder zu eine Überholmanöver an, welches jedoch durch den zuvor genannten Nasenstöpsel und dem zugehörigen Seil abgebremst wurde.

Nach einer halben Stunde Ritt kamen wir mitten im Nirgendwo an, wo aus Metall und Plastikscheiben Sandschlitten auf uns warteten mit denen wir die Düne hinunterdüsen sollten.

Obwohl die Gefährte nicht sehr vertrauenerweckend aussahen, trauten sich alle damit fahren, immerhin war der Sand so weich und würde jeden Sturz gut abfedern.

In gemütlichem Gleichschritt ging es dann zurück zum Auto und von dort aus nach Hohhot.

Die letzten beiden Tage hatten wir uns in einem Vier-Stern-Hotel eingemietet – größtenteils wegen des eigenen Bads auf das wir uns schon ziemlich freuten. Und bei den Schnäppchenpreisen in Hohhot macht man damit sicher keinen Fehler.

Nachdem das Frühstück im Hotel nicht gerade überzeugend war (der Automatenkaffee schmeckte nach Erdbeere), kauften wir uns in einem netten kleinen Kaffee, dass nebenbei auch noch eine Bücherei war, einen Cappuccino und etwas Süßes.

Von der Stadt Hohhot an sich hatten wir uns nicht allzu viel erwartet und wurden somit auch nicht enttäuscht. Die meiste Zeit verbrachten wir mit essen.

Zwischendurch machten wir eine Fahrradtour – es war überraschend positiv zu sehen wie wenige Ebikes hier unterwegs waren – bei der wir ins Schwitzen kamen. Nicht etwa wegen der Anstrengung sonder weil wir uns auf die inexistenten Verkehrsregeln konzentrieren mussten. Man musste schon etwas aufpassen damit einen niemand über den Haufen fährt….

Während unserer Radtour kamen wir an ein paar Tempeln (kennst du einen, kennst du alle) und einer Moschee mit davor aufgebauter Aladin-Lampe vorbei – die zu meinem Bedauern keinen Gini ausspuckte als ich daran rieb.

Am frühen Abend – gerade als wir uns auf den Weg Richtung Restaurantstrasse machen wollten – fegte ein starker Wind durch die Straßen der ordentlich Staub aufwirbelte. Kurz dachten wir es handelt sich um einen Sandsturm, ich denke aber dass der schon noch extremer gewesen wäre.

Wir warteten also noch etwas bevor wir uns zum Essen aufmachten. An diesem Abend genossen wir nochmals die Köstlichkeiten die die Mongolei zu bieten hatte – kaltes Bier, Radler, Brot und Joghurt – bevor es dann am nächsten Morgen zurück nach Nantong ging. Liebe Mongolei, es war uns ein Volksfest!

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