Yixing Halbmarathon – der erste Laufbewerb von Stefan

Bereits letztes Jahr hatten wir darüber gesprochen dass es doch cool wäre einmal einen Marathon zu laufen. Aus dem anfänglichen Geplänkel wurde dann relativ schnell Ernst als wir mitbekamen dass im November immer der Marathon in Shanghai stattfindet.

Wir sind zwar beide sportlich, ich bin zuvor aber noch nie weiter als 10 km gelaufen. Nicht weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil mir bis dato immer der Ansporn gefehlt hat.

Gemeinsam mit unserem Kollegen Martin setzten wir uns das Ziel am Shanghai-Marathon im November 2019 teilzunehmen.

Der Entschluss war gefasst und so starteten wir mit dem Training. Um dem ganzen Struktur zu verleihen trainieren wir seitdem nach einem Plan.

Unser erster Plan basierte auf einem Ziel für einen Halbmarathon. Wir wollten es nicht zu schnell angehen. Als sich bei Stefan relativ schnell die gewünschten Ergebnisse einstellten, beschloss er kurzerhand schon Anfang April seinen ersten Bewerb zu laufen.

Man muss dazu sagen, dass er von Natur aus eine sehr gute Grundlagenausdauer hat. Anders als bei mir – mein Körper baut eher schneller Muskeln auf – kann man bei ihm einen guten und raschen Fortschritt im Ausdauerbereicht beobachten.

Also meldete er sich im März für den Yixing Halbmarathon an. Yixing gehört zur Millionenstadt Wuxi, welche ca. 2,5 Stunden süd-westlich von Nantong liegt.

Der Laufbewerb fand am Sonntag statt und so nahmen wir uns vor, schon am Samstag anzureisen um noch etwas von der Stadt sehen zu können.

Für die Buchung der Unterkunft und die Organisation war natürlich ich zuständig. 😉

Da wir ein Verkehrschaos am Renntag befürchteten, sollte das Hotel möglichst nahe am Start-/Zielbereich liegen. Die Auswahl in der unmittelbaren Umgebung war beschränkt, doch nachdem wir noch relativ bald dran waren und auf das Hotel Preference anscheinend kein so großer Andrang herrschte, quartierte ich uns zu einem wirklich guten Preis im zuvor genannten 5-Stern-Hotel ein. Verglichen mit Shanghai sind die Preise dort wirklich gut!

Ein kurzentschlossener Kollege aus Österreich der gerade bei uns auf Montage ist, begleitete uns auch und so hatte ich einen Mitanfeuerer dabei.

Gleich nach unserer Ankunft in Yixing holten wir Stefans Starterpackage inkl. Startnummer und T-Shirt ab. Zum Einchecken in das Hotel war es noch zu früh, also fuhren wir weiter zu einem nahe gelegenem Scenic Spot, Luoyan Mountain mit den Shanjuan Caves – also ein kleines Höhlensystem.

Die Anlage an sich war sehr nett, nur leider war der Ansturm groß und da die Route durch die Kalksteinhöhlen klar vorgegeben war, kam es gerade beim letzten Abschnitt zu einer Wartezeit, denn man musste beim Ausgang den unterirdischen Fluss mit einem Boot überqueren…

Nach dem kleinen Ausflug, checkten wir ins Hotel ein und bezogen unsere Zimmer – welche wirklich einem 5 Sterne Hotel entsprachen. Sie waren sauber, gepflegt und super ausgestattet – hier ließ es sich auch länger als eine Nacht aushalten.

Bevor wir uns zum Abendessen trafen, nutzen wir noch den hoteleigenen Pool. Hier war es zur Abwechslung angenehm ruhig, da wir nach ein paar Minuten die einzigen Badegäste waren.

Natürlich sollte es für Stefan an diesem Tag bald ins Bett gehen, damit er für den nächsten Tag fit und ausgeschlafen war. Vor allem in Hinblick auf unsere „Verabredung“ dir wir um 4 Uhr morgens noch hatten.

Arbeitskollegen von uns befanden sich gerade in Las Vegas um sich dort trauen zu lassen und wir hatten einen Link zum Livestream der Hochzeit bekommen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

So stellten wir uns den Wecker eine Viertelstunde vorher und Philipp kam zu uns ins Zimmer – ausgerüstet mit Bier – es war ja schließlich eine Hochzeit :-). Mir und Stefan war es jedoch noch zu früh und so konnte er es sich alleine schmecken lassen.

Die Trauung an sich war kurz und knackig aber dennoch eigentlich ganz nett gemacht – ich hatte mir noch mehr „Massenabfertigung“ erwartet. Aber die beiden hatten sich bewusst für eine kleine Kapelle in Familienhand entschieden und damit einen guten Griff gemacht.

Nachdem James Brown den beiden noch ein Ständchen geträllert hat, wurden auch die Daheimgebliebenen gegrüßt, was wirklich ziemlich cool war.

Das Brautpaar hatte sich – entsprechend der ausgefallenen Location – auch kleidungstechnisch angepasst. Martin trug einen roten langen Frack mit goldenen Stickereien und Zylinder, während Petra traditionell chinesisch in rotem Kleid, ebenfalls golden bestickt, wirklich bezaubernd aussah.

Es war wirklich eine coole Erfahrung online beigeschalten zu sein!

Auf diesem Wege nochmals Herzlichen Glückwunsch und alles gute für euren weiteren gemeinsamen Lebensweg als Ehepaar!!!

Nachdem wir diesem Highlight beigewohnt hatten, ging ich nochmals schlafen bevor der Wecker dann um kurz vor 6 läutete.

Philipp und ich begleiteten Stefan dann etwas später zum Start. Wir wollten ihn loslaufen sehen, dann frühstücken gehen und pünktlich zu seiner Rückkehr wieder am Zielbereich sein.

Stefan hatte sich als Ziel zwei Stunden gesetzt und nachdem das Hotel wirklich nur 5 Gehminuten entfernt lag – ging sich das alles super aus.

Die Stimmung am Start war wirklich gut und man muss sagen, dass das mit den Startblöcken sehr gut funktioniert hat und so keinerlei Drängelei entstand.

Als sich der Großteil des Startfeldes in Bewegung gesetzt hatte und wir Stefan nicht mehr sahen, gingen wir eben zurück ins Hotel um zu frühstücken. Das coole war, dass das Restaurant im 60. Stock war und wir von oben die türkise Schlange (jeder Teilnehmer hatte in entsprechendes Shirt bekommen) beobachten konnten.

Da ich mir schon gedacht hatte, dass Stefan etwas schneller sein wird als sein Ziel, machten wir uns zeitig auf den Weg zurück an den Start.

Während wir – ich mit einem kleinen Plakat ausgestattet – auf seine Rückkehr warteten, wurden wir ein paar mal angesprochen – hier waren wohl nicht so oft Ausländer unterwegs. Und der Stadionsprecher der bis dato die ganze Zeit chinesisch gesprochen hatte, verkündete auf einmal: „And now we are going to have an interview with two foreigners“. Ich schaute Philipp an und meinte nur: „Der wird doch wohl nicht uns meinen?“ Aber schon kam er mit festem Schritt auf uns zu und hielt uns sein Mikrofon unter die Nase. Er wird sich wohl auch gedacht haben – einfach nicht fragen dann können sie nicht Nein sagen. 🙂

Danach dauerte es nicht mehr lange und Stefan kam mit Riesenschritten und flottem Tempo ins Ziel.

Es war ihm richtig gut gegangen und er hatte seine angepeilte Zeit von 2 Stunden um einige Minuten unterboten – seine finale Zeit 1:49!!

Ich war mindestens genauso, wenn nicht noch stolzer als er!!

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