Führerschein in China machen?!

In China Autofahren ist erst einmal etwas – hmmm wie soll man sagen – gewöhnungsbedürftig.

Jeder der es schon mal selbst erlebt hat weiß was ich meine…..

4 anstatt 2 Spuren – genauso wie der weiße Wagen neben uns, wollten wir einfach nur gerade über die Kreuzung, die von Linksabbiegern blockiert war

Obwohl ich in Österreich immer gesagt hatte dass ich gleich den Führerschein mache, war ich mir am Anfang nicht ganz sicher ob ich mich wirklich selbst hinters Steuer setzen sollte. Nicht weil ich Angst hatte, sondern weil ich gerade beim Autofahren ein sehr ungeduldiger und aufbrausender Mensch bin (das mit dem ungeduldig trifft
ehrlich gesagt auch auf andere Lebensbereiche zu :-)).

Deswegen und weil ich bis wir uns eingewöhnt hatten immer Einiges um die Ohren hatte (zusätzlich war es ganz gemütlich jeden Tag chauffiert zu werden 😉 vielleicht hat bis dato deswegen keine der anderen Expat-Frauen in der Firma den Führerschein gemacht) dauerte es bis Jänner 2018 bis ich dann den Führerschein machte.

Warum Führerschein machen wird sich jetzt der eine oder andere fragen? In China darf man mit dem österreichischen Führerschein nicht fahren.

Man muss eine theoretische Prüfung ablegen. Die praktische ist Gott sei Dank nicht notwendig.

Die Theorieprüfung kann man in Nantong auf Englisch und mittlerweile anscheinend auch auf Deutsch ablegen. Das wollte ich dann aber nicht versuchen, da die Übersetzungen im Englischen schon nicht immer so klasse waren und ich die rund 1000 Fragen aus dem Katalog vorher in englischer Sprache gelernt hatte.

Die Verkehrsregeln an sich sind in China ähnlich wie in Österreich – zumindest in der Theorie, in der Praxis fährt sowieso jeder wie er will. Natürlich gibt es Ausnahmen (wie die Tatsache, dass man grundsätzlich auch bei Rot rechts abbiegen darf, außer es gibt explizit eine „Rechts-Ampel“). Für diese und für die rechtlichen Fragen muss man dennoch lernen.

Ich hatte in meinem Leben noch nie ein Lernproblem, daher fiel mir auch hier die Vorbereitung nicht schwer. Ich habe ca. eine Woche lang abends immer wieder online auf http://www.chinesedrivingtest.com bzw. mit einer App (Driving Theory China) gelernt und bei der Prüfung dann 96 von 100 Fragen richtig beantwortet. Um zu bestehen benötigt man übrigens 90 Punkte. Sollte man das nicht schaffen, kann man direkt wieder antreten – lediglich die Prüfungsgebühr von ca. 20 RMB (genau weiß ich es nicht mehr aber ich kann mich noch erinnern dass es wirklich wenig war, ein paar Euro) ist nochmals zu entrichten.

Bevor man jedoch die Prüfung überhaupt ablegen darf, muss man auf der Polizeistelle von einer Station zur nächsten laufen – die Bürokratie lebe hoch! – um die erforderlichen Unterlagen zusammen zu tragen.

Neben einem „Gesundheitscheck“ bei dem ein Beamter einen kurzen Blick auf einen wirft um festzustellen ob man selbstständig stehen oder gehen kann (das war zumindest der Eindruck den ich hatte), mussten wir vor Ort Bilder machen lassen – nein die die wir zuvor für die Arbeitsgenehmigung machen hatten lassen kann man da natürlich nicht nehmen, wie kam ich nur auf die Idee – und ein paar Formulare ausfüllen. Das übernahm bis auf den letzten Schritt unsere HR-Beauftragte.

Und das war dann auch die eigentliche Herausforderung an dem Ganzen (meiner Meinung nach schwieriger als die Prüfung selbst): das Unterschreiben mit dem eigenen chinesischen Namen in chinesischen Schriftzeichen!

Um es noch ein bisschen schwieriger zu gestalten, nicht auf normalem Papier, nein digital damit man nicht sieht was man zuvor geschrieben hat. 🙂 Die Dame hinter dem Schalter hatte ihren Spaß während ich die gefühlt 100 Formulare digital unterzeichnete….

Nachdem das geschafft war ging es direkt in den Prüfungsraum. Dort hatte ich dann 40 Minuten Zeit um die Fragen wie auch in Österreich am PC zu beantworten. Um Schummeln zu vermeiden ist während der ganzen Prüfung eine Kamera direkt auf einen gerichtet die immer wieder Bilder macht. Diese Bilder werden auf das Blatt mit dem Prüfungsergebnis gedruckt.

Hat man bestanden muss man nur noch kurz warten bevor man dann seinen Führerschein in und damit auch wieder ein Stückchen Unabhängigkeit in die Hand bekommt.

Aus dem Leben gegriffen

Ich hatte euch ja gesagt, dass Stefan den Führerschein schon vor mir gemacht hat. Bei ihm ging es bei der Prüfung leider nicht ganz so reibungslos zu.

Die Vorbereitung lief noch nach Plan und er ging wie alle anderen in den Prüfungsraum. Nachdem er die ersten Fragen beantwortet hatte, kam das erste Mal eine Frage mit Bild: „Dürfen Sie auf diesem Bild überholen?!“

Das Problem – das Bild welches zu bewerten war befand sich so weit unten am Bildschirm, dass gerade mal zwei Zentimeter zu sehen!

Er hob die Hand um den Aufseher zu rufen welcher einfach nur verwirrt war. Er rief zuerst seine Kollegen, die genauso wenig helfen konnten und dann einen IT-Spezialisten. Über Fernzugriff hängte sich dann ein anderer IT-ler auf den PC (die PC-Überwachungskamera wurde natürlich vorsichtshalber weggedreht :-)).

Während dieser ganzen Aktion lief die Prüfungszeit immer weiter ab, Stefan wurde schon ganz nervös, ob sich dass für die restlichen Fragen noch ausgehen würde.

Natürlich gab es auch ein Verständigungsproblem, da keiner der involvierten Personen Englisch sprach. Nachdem die Uhr nur mehr rund 20 Minuten anzeigte, wurde Stefans Begleitperson aus der Firma hereingerufen um zu übersetzen.

Es stellte sich heraus, dass für die englische Prüfungssoftware ein Update eingespielt wurde und Stefan der Erste war der seit diesem die Prüfung ablegte.

Da es zu dem Zeitpunkt als Lilee hinzukam keine Aussicht auf eine Lösung gab, schlugen die Beamten vor sie solle doch für Stefan die chinesische Prüfung ins Englische übersetzen damit er ihr dann die richtigen Antworten geben kann.

Haha!! Nicht nur das die Zeit dafür nicht mehr reichte, da konnte doch gleich Lilee die Prüfung schreiben. Das Problem war dabei nur, auch ihre Führerscheinprüfung war schon ein paar Jährchen her.

Vorschlag somit abgelehnt.

Nachdem Stefan aber die Prüfung unbedingt noch an diesem Tag machen wollte einigte man sich, dass er es am Nachmittag nochmals versuchen sollte. Bis dahin sollte das Problem gelöst sein.

In der Zwischenzeit fuhr Stefan zur Schlüsselübergabe unserer Wohnung.

Als sie danach auf die Polizeistelle zurückkamen, warteten die Beamten mit schlechten Nachrichten. Sie hatten das Problem noch nicht gelöst. Als Lilee und er den Prüfungsraum betraten um doch die Übersetzungsvariante anzuwenden, sprang der IT-Beauftragte grinsend vom PC auf – der Fehler war behoben!

Das war wirklich in allerletzter Minute!

Und so konnte Stefan die Prüfung doch noch selbst auf Englisch ablegen.

Die ganze Prozedur hatte jedoch anstatt 2 Stunden fast den ganzen Tag in Anspruch genommen….

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