Expat in China – Abgeschnitten vom Rest der Welt?

Als wir uns für China entschieden hatten, haben uns Viele gefragt ob wir nicht Angst haben den Anschluss an das Leben in Österreich zu verlieren.

Ehrlich gesagt war eine der größten Befürchtungen, dass wir durch unsere Entscheidung Freunde verlieren könnten – denn mal ehrlich natürlich ist es auch nicht klasse unsere Familien so selten zu sehen, aber Familie bleibt eben Familie…. .

Mit Freunden ist das etwas Anderes – hier gibt es keine familiären Bande die einen immer zusammen halten. Hier ist Engagement gefragt.

 

Nachdem wir dann aber mit anderen Expats gesprochen haben, wurde uns klar: mit wahren Freunden hält man Kontakt, egal wie weit man weg ist. Nach dem Motto: Good friends are never apart – maybe in distance but never in heart!

Doch man darf natürlich keine Angst davor haben, dass sich durch die Entscheidung ins Ausland zu gehen etwas ändern könnte. Zum Beispiel dass sich dadurch herausstellen könnte, dass einem vermeintlich gute Freunde doch nicht so nahe stehen.

 

Anderen Expats die bereits länger in China sind als wir ist das bereits passiert – Freundschaften haben sich verloren, Kontakte sind abgebrochen.

Bis dato sind wir davon noch verschont geblieben, jedoch ist mir auch schon aufgefallen dass es Leute gibt bei denen immer ich mich melde und nicht umgekehrt. Die Frage ist nun: warum ist das so? Haben sie zu wenig Zeit? Oder ist es mangelndes Interesse bzw. mangelnder Wille?

Auch mir passiert es des Öfteren, dass ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und keine Lust mehr habe, am Handy zu hängen (immerhin sitze ich schon fast den ganzen Tag vor einem Bildschirm und unsere Arbeitstage sind meist um die neuen oder zehn Stunden lang). Nachdem ich dann aber ein nettes Telefonat geführt habe, bin ich immer froh dass ich mir die Zeit genommen habe!

 

Doch wie hält man am Besten Kontakt mit zu Hause?

Egal ob über WhatsApp, Facebook, Instragram, WeChat, Skype… in der heutigen Zeit ist es wirklich kein Problem mehr vernetzt zu bleiben. Früher war das natürlich etwas ganz Anderes. Es muss wirklich schlimm gewesen sein von daheim weg zu gehen und dann vielleicht wochenlang nichts von seinen Liebsten zu hören. Bei uns ist es eher so, dass wir uns die Zeit gut einteilen müssen um die Kontakte zu pflegen und trotzdem noch Freizeit zu haben.

Mein Schatz telefoniert zum Beispiel wöchentlich per Video Call mit seinen Eltern. Ich muss gestehen, ich bin da nicht ganz so „brav“. Ich schaffe es meist nur alle zwei Wochen. Das liegt aber auch daran, dass ich einen größeren Freundeskreis habe und mir die Zeit für die Telefonate besser einteilen muss. Die Zeitverschiebung trägt da nicht gerade dazu bei das Ganze zu vereinfachen. Denn wenn in Österreich alle erst aufstehen, ist es bei uns bereits Nachmittag und die Zeitspanne für ausgiebigen Kontakt daher relativ kurz. Und man will ja auch nicht die ganze Zeit daheim sitzen und nichts unternehmen.

Deshalb legen wir längere Telefonate meist aufs Wochenende während sich kürzere Gespräche auch unter der Woche ausgehen.

Ich nutze meist die Zeit morgens am Weg zur Arbeit (hier habe ich das Glück, dass die Männer immer mit dem Auto fahren) um mich online über die Geschehnisse in Österreich zu informieren und Nachrichten zu schreiben. Auch hier gilt wieder – Organisation ist alles :-).

 

Natürlich ersetzt ein Videogespräch auf keinen Fall den persönlichen Kontakt oder eine Umarmung, deshalb nehmen wir uns wenn wir in Österreich sind immer Zeit um die Menschen zu besuchen die uns wichtig sind.

 

Die Welt dreht sich auch zu Hause weiter

Es muss einem schon bewusst sein, dass sich die Welt zu Hause weiterdreht während man nicht da ist (wenn auch Gott sei Dank langsamer als in China). Uns ist es schon manchmal passiert, dass man die Daheimgebliebenen fragt: „Und was tut sich so?“ – „Ach eigentlich immer das Gleiche“.

Wochen später – oder wenn man vielleicht gerade auf Heimaturlaub ist – stellt sich dann heraus, dass der Cousin das zweite Kind bekommt, eine gute Freundin ihre Leidenschaft für Schlingentraining entdeckt oder neue Freundschaften geknüpft hat.

Man darf sich hier nicht ausgegrenzt fühlen oder eifersüchtig sein – was nicht immer so leicht ist wenn man vielleicht einmal keinen guten Tag hatte. Denn dies ist keinesfalls mutwilliges Vorenthalten von Informationen, sondern einfach der Lauf des Alltags.

 

Ich persönlich habe – seitdem wir in China sind – schätzen gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist Freunde zu haben die einen schon den Großteil seines Lebens begleiten.

Wie schon am Anfang geschrieben ist etwas Engagement nötig um in Kontakt zu bleiben, aber wenn beide Seiten bereit sind etwas Zeit und Energie zu investieren ist es kein Problem Freundschaften auch von der Ferne aufrecht zu halten.

 

Und wer wie wir einen befristeten Vertrag hat, kann sich bereits auf die Zeit danach freuen – die man dann mit den Freunden die einen durch diese Lebensphase begleitet haben genießen kann!

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