Der erste Besuch aus der Heimat – Xi’an/Shanghai (4/4)

Am Sonntag Morgen nahmen wir den Schnellzug von Peking nach Xi’an (515 RMB/Person) welcher uns in knapp 5 Stunden an unser nächstes Ziel brachte.

Da wir in Xi’an nur zwei Nächte verbrachten und der erste Tag mit der Anreise schon halb verplant war, blieb uns gar nicht so viel Zeit um diese „Kleinstadt“ zu genießen. Nach der Ankunft bezogen wir unser Hotel direkt im Zentrum (ein kleines Yitel gleich in der Nähe des Belltowers). Mit einem Zimmerpreis von knapp 280 RMB/Nacht bietet diese Unterkunft wirklich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis wenn man bedenkt, dass man direkt im Geschehen und an der großen Einkaufsstraße übernachtet. Natürlich wäre es noch weitaus günstiger gegangen, das war hier aber nicht unser Anspruch.

Den restlichen ersten Tag verbrachten wir – wie sollte es anders sein – mit Essen und Schlendern. Das Flair von Xi’an erinnert einen wirklich an eine Stadt im Süden von Europa (nicht nur aufgrund der Hitze). Es geht wesentlich ruhiger zu als in allen anderen Städten die ich in China bis dato gesehen habe, die Leute sind um einiges entspannter und es kommt einem so vor als ob das Treiben nicht 24 Stunden am Tag anhält.

 

Am Meisten tut sich abends definitiv rund um den Belltower, in dessen Nähe natürlich auch die meisten Restaurants angesiedelt sind. Im Park gleich nebenan kann man sich mit einem Eis gemütlich hinsetzen und den bunt beleuchteten Tower bewundern. Mein Bruder nutzte die Kulisse um dieses coole Bild zu schießen:

 

 

Am nächsten Morgen machten wir uns früh zur Terrakotta-Armee auf. Ich hatte im Internet gelesen, dass ein Bus direkt dorthin fährt und da dies im Internet richtig einfach beschrieben war und ich nicht nochmals eine geführte Besichtigung machen wollte, fuhren wir zum Bahnhof um dort nach dem Bus Ausschau zu halten.

Und tatsächlich – diese Busse kann man nun wirklich nicht übersehen! Nicht nur, dass sie seitlich entsprechend beschriftet sind, auch die Schlange davor war – trotz unsere zeitigen Aufbruchs – ein Indiz dass wir hier wohl richtig waren. Das Einzige was man wissen musste ist, wo sich die Haltestelle befindet. Der Bahnhof liegt ja direkt an der Stadtmauer, wenn man davor steht muss man einfach nur unter dem zweiten Bogen durch und leicht rechts abbiegen, dann steht man direkt an der Schlange.

Also: mir schwante schon Böses als ich die Menschentraube sah. Überraschenderweise waren die Leute hier sehr gut organisiert und innerhalb einer Viertelstunde saßen wir in unserem Bus (Linie 5 – Nr. 305), der uns nur ein paar RMB (ich glaube 7 RMB) kostete und uns direkt vor dem Areal der Terrakotta-Armee aussteigen ließ.

 

Das Gelände selbst erstreckt sich auf eine relativ große Fläche wobei die wirklichen Attraktionen – die Gruben 1 bis 3, in denen die verschiedenen Stadien der Ausgrabungen gezeigt werden – auf einen kleinen Bereich beschränkt sind.

Obwohl ich ja bekanntlich nicht so der Museums-Geher bin, muss ich schon sagen dass mich die Ausgrabungsstätte doch sehr beeindruckt hat. Auch wenn der Eintritt von 180 RMB/Person für einen Laien, der mit Archäologie nicht viel zu tun hat, nicht wenig ist wurde ich nicht enttäuscht.

 

Die Terrakotta-Armee – das Werk eines Tyrannen unter Verfolgungswahn?

Der Geschichte nach wurde der Bau der Armee vom Kaiser Qinshihuang beauftragt um ihn auch über seinen Tod hinaus zu beschützen. Er glaubte, dass die Figuren nach seinem Tod wieder zum Leben erweckt und ihm dadurch die gleiche imperiale Macht wie zu seinen Lebzeiten verschaffen würden.

Am Bau selbst waren anscheinend um die 700.000 Arbeiter, Sklaven und Kriegsgefangene beteiligt. Damit niemand etwas vom Mausoleum und der darin verborgenen Macht erfahren konnte, wurden die Arbeiter nachdem sie ihr Werk getan hatten, entweder hingerichtet oder bei lebendigem Leibe eingeschlossen. Nur wenige hatten Glück davon zu kommen.

Nachdem der Kaiser gestorben war, wurden die Bauarbeiten abrupt eingestellt, die Anlage mit ihren rund 8.000 Figuren sich selbst überlassen und in den folgenden Jahren stark geplündert. Vor allem die Waffen, welche den Kriegern „mitgegeben“ wurden, wurden entwendet – wahrscheinlich weil diese für die arme Bevölkerung von großem Wert waren.

Obwohl der Standort des Grabhügels im 19. Jahrhundert bekannt war, wurde die Armee selbst erst 1974 durch Zufall von Bauern entdeckt. Einige Monate später wurde mit den Ausgrabungen begonnen.

Mittlerweile ist rund ein Viertel der gesamten Anlage freigelegt und in drei Hauptgruben unterteilt.

Die wohl bekannteste ist Grube 1, in der sich ein Großteil der Figuren befindet – nämlich an die 6.000. Faszinierend ist, wie detailgetreu die Krieger gestaltet wurden. Sie wurden laut Auskunft aus gleichen Grundformen hergestellt, dennoch sind keine zwei Statuen komplett identisch in Haltung, Gesichtszügen oder Ausstattung. Das ist für die damalige Zeit einerseits verständlich da noch nicht wie heute mit Maschinen gearbeitet wurde, andererseits zeigt es den unheimlichen Aufwand der hinter diesem Projekt steckt.

Terrakotta Krieger

Während in der Hauptgrube vor allem Fußsoldaten stehen, finden sich in Grube 2 Reiter mit Pferden, Bogenschützen und Streitwägen.

In Grube 3 wurde eine Art Kommandozentrale mit Offizieren entdeckt.

Wie bereits schon geschrieben ist bei Weitem noch nicht alles der insgesamt 56 Quadratkilometer großen Mausoleumsanlage freigelegt. Die Archäologen können bis dato nur Schätzungen über den gesamten Umfang abgeben und viele Bereiche sind daher nach wie vor nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Mit dem Shuttlebus kann man mit dem Eintrittsticket dann noch zum zweiten Bereich, dem Qin Shi Huang Mausoleum fahren. Dieses ist einer Stadt nachempfunden, mit äußerer und innerer Stadtmauer und dem Grabhügel im Zentrum. Hier kann man nochmals gut zwei weitere Stunden verbringen, wenn man die gesamte Anlage besichtigt.

Für uns ging es dann jedoch mit dem Bus zurück und abends ließen wir den Tag gemütlich beim Essen ausklingen.

 

Die alte Stadtmauer von Xian

 

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus zum Bahnhof und von dort mit dem Schnellzug nach Shanghai (ca. 660 RMB/Person) um die letzten Tage gemeinsam zu verbringen.

Ich hatte ein Hotel nahe der East Nanjing Road – jedoch schon etwas abseits – gebucht um von dort aus mit der U-Bahn überall hinfahren zu können, da wir uns kein richtiges Programm für Shanghai zurecht gelegt hatten. Ich war mir nicht so sicher wie viel Lust meine Familie nach dem Herumfahren noch hatte.

Und so verbrachten wir noch zwei entspannte Tage an denen wir den Yu Garden besuchten, die obligatorische Fahrt auf den Korkenzieher – den Shanghai Tower – machten und teilweise einfach zu Fuß die Stadt erkundeten. Zum Thema „What to do in Shanghai“ wird es noch einen eigenen Beitrag geben :-).

 

 

Am Freitag fuhren ich und Stefan dann mit dem Bus zurück nach Nantong während meine Family noch das Disneyland besuchte, bevor es dann am Samstagmorgen für sie zum Flughafen und zurück nach Österreich ging.

Der Abschied fiel uns nicht leicht aber wir konnten auf zwei Wochen zurückblicken in denen wir viel gesehen und die wir sehr genossen haben!

Auch wenn es für mich anstrengend war die „Reiseführung“ zu übernehmen kann ich sagen: wir freuen uns über jeden Besuch von zu Hause! 😉

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