Der erste Besuch aus der Heimat – Beijing (2/4)

Für den zweiten Tag in Peking hatten wir uns vorgenommen zur Chinesischen Mauer zu fahren. Eigentlich wollten wir das bereits am ersten Tag machen aber wir hatten uns vorab zu wenig erkundigt und waren uns nicht sicher ob wir es auf eigene Faust versuchen, oder eine geführte Tour vom Hotel aus buchen sollten.

Darüber hatten wir grundsätzlich Positives gehört und der nette junge Mann an der Rezeption machte es uns durchaus schmackhaft mit einem Guide dorthin zu fahren. Es hieß mit einem kleinen Bus und einer Gruppe von rund 10 Personen würde man zuerst zu einer Seiden- und Jadefabrik fahren (das hörte sich für mich bereits nach Verkaufsveranstaltungen an aber man soll ja keine Vorurteile haben….) und nach einem gemeinsamen Mittagessen und einem Abstecher zum Sacred Path (hatte ich vorab schon mal gehört, aber hmmm was war das noch mal?) einen 3 stündigen Aufenthalt an der Mauer haben. Untermalt würde das ganze durch die Erklärungen eines englischsprachigen Guides werden.

Das hörte sich doch gar nicht so schlecht an, und nachdem ich meinen Eltern erzählt hatte, dass eine Fahrt mit den Öffis zu dem Teil der Mauer den wir besichtigen wollten rund 2 1/2 bis 3 Stunden dauern würde, war die Mehrheit dafür doch die geführte Tour zu machen. Also meldeten wir uns gutgläubig für Freitag an und zahlten die pro Person nicht ganz 460 RMB.

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle um 6:45 (ja wirklich alle, auch mein Bruder war da ;-)) vor dem Hotel wo uns der versprochene Kleinbus abholte. Mit uns stiegen auch noch zwei junge Mexikanerinnen ein und wir machten uns auf den Weg noch zwei Hotels anzufahren um ein paar Gleichgesinnte abzuholen.

Am nächsten Hotel stieg dann auch unsere Führerin Jenny zu die uns erörterte, dass wir noch eine dritte Station hatten an der wir dann noch den Bus wechseln sollten.

Bereits beim Aussteigen aus dem Kleinbus schwand meine Begeisterung. Vor uns stand ein 40er-Bus…. soviel zu „Kleingruppen“. Gemeinsam mit 27 Anderen lauschte ich der Einführung von Jenny die uns den Tagesablauf erklärte und ich fühlte mich bereits jetzt wie ein Obertouri. Mann oh…

 

Glücklicherweise war der Großteil der restlichen Gruppe nett und gesprächig. Vielleicht wird es ja doch nicht so übel, dachte ich.

Nach rund einer 3/4 Stunde durch den Stadtverkehr kamen wir am ersten Punkt, der Seidenfabrik, an. Wir lauschten der Geschichte sowie der Erklärung der Seidenproduktion – was wirklich interessant war – und machten dann einen kurzen Spaziergang durch den Schauraum. Hier wurde uns vorab natürlich noch mitgeteilt welche Sachen gerade heute (und wirklich nur heute 🙂 ) im Angebot waren. Jenny hatte uns bereits im Bus gesagt dass dies passieren würde, aber niemand dazu verpflichtet wäre etwas zu kaufen. Also schlenderten wir direkt an den Verkäuferinnen vorbei (ohne auch nur angesprochen zu werden!) zurück zum Bus, wo wir auf die anderen warteten. Bis alle da waren, kam ein weiterer Bus einer anderen Reisegruppe an und kutschierte nichtsahnende Touristen zur Verkaufsveranstaltung.

 

 

Nachdem alle angekommen und niemand etwas gekauft hatte, ging es weiter zum Sacred Path of the Ming tombs. Hierbei handelt es sich laut den Überlieferungen um den Weg zum Himmel. Der Herrscher als Sohn des Himmels wurde dem Glauben nach über diesen auf die Erde gesandt und nach seinem Tod über selbigen auch wieder in den Himmel zurück kehren.

Der Sacred Way der Ming tombs ist vollständig und vor allem am besten erhaltene Pfad in China. Der Weg selbst wird von 24 Tierfiguren, die alle aus einem einzigen Steinblock gemeißelt wurden (das ist wirklich beeindruckende Handwerkskunst) gesäumt. Darunter finden sich Löwen, Pferde, Elefanten, Kamele, xiezhi (ein Einhorn aus der chinesischen Mytologie), qilin (eines der göttlichen Tiere, die anderen sind der Phönix, der Drache und die Schildkröte).

Jedes dieser Tiere – von denen immer zwei Paar vorzufinden sind, eines stehend, eines sitzend – hat eine andere Bedeutung. Sie sind einzig zum Schutz und zur Begleitung des Herrschers auf seinem Weg aufgestellt worden.

Vom Eingang am unteren Ende führt der Weg rund 7 Kilometer bis zu den richtigen Gräbern. Für uns endete der Weg jedoch nach den Steinstatuen am Phönix Gate und es ging weiter zu unserem nächsten Punkt.

 

 

An der Jadefabrik angekommen erwartete uns bereits eine übertrieben freundliche Chinesin die mit uns die Führung durch die – man beachte: größte staatlich geförderte – Fabrik machen sollte (also auch hier hat der Staat seine Finger im Spiel).

Begleitet von ihrem künstlichen Gelächter und den einstudierten Witzen (Spontanität zählt nicht zu den Tugenden der Chinesen) erklärte sie uns wie man seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden (ehrlich gesagt bin ich schlecht mir Jahreszahlen zu merken) Jade abbaut und diese bearbeitet. Die Kunst selbst wird von Generation zu Generation weitergeben – also wenn du nicht in die richtige Familie geboren wurdest, Pech. Ich frage mich wie sie planen derartiges Kulturgut aufrecht zu erhalten wenn man bedenkt, dass der Großteil der Jugendlichen Karrieren als Banker, Anwalt, Arzt usw. anstrebt….

Interessant zu erfahren war, anhand welcher zwei Merkmale man echte von Fake-Jade unterscheiden kann. Erstens, wenn man sie gegen das Licht hält, sieht man bei echter Jade die Maserung des Steines während die gefälschte das nicht aufweist. Und zweitens, echte Jade ist derart hart dass sie – wenn man mit ihr über eine Glasplatte kratzt – Spuren hinterlässt während sie selbst unversehrt bleibt.

Weiters verfärbt sich echte Jade mit den Jahren und es werden oft Jadearmbänder oder die bekannten Jadebälle von den Müttern an die Töchter, oder Schwiegertöchter, weitervererbt. Man hat schon gemerkt, dass dies in der chinesischen Kultur einen hohen Stellenwert hat.

Auch hier erwartete uns am Ende der Führung ein wirklich riesiger Schauraum bei dem man alles Erdenkliche erwerben konnte. Darüber im ersten Stock nahmen wir dann auch unser „typisch chinesisches“ (ehrlich gesagt erinnerte es ziemlich stark an die Chinesen aus Österreich) Mittagessen ein bevor wir ENDLICH zur Mauer fahren sollten.

 

 

Wir hatten uns bewusst für die Tour zur Mutianyu Section entschieden weil diese als wesentlich ruhiger als Badaling, welche der meist besuchte Abschnitt der Chinesischen Mauer ist, gilt. In Badaling finden oft offizielle Empfänge und politische Veranstaltungen statt, wodurch der Großteil der Chinesen wie magisch davon angezogen wird. Und auf derartigen Trubel hatte ich wirklich keine Lust.

 

Mit der Seilbahn nach oben

Dort angekommen, kaufte Jenny für uns alle noch die Tickets für die Gondel oder den Sessellift (nein das war nicht im Preis inkludiert, weil jeder ja wählen konnte womit er nach oben fuhr – HaHa…) bevor sie uns den späteren Treffpunkt mitteilte und jeder seines Weges ging.

Stefan, Sascha und ich wollten bis zum höchsten Punkt der Mauer im Westen (dem Watchtower 23) gehen und so trennten wir uns von unseren Eltern, da diese ein eher gemächlicheres Tempo anschlugen.

 

Karte von Mutianyu – Watchtower Nr. 23 ist hier mit 20 eingezeichnet – fragt nicht warum

 

Zu unserer Freude war es wirklich sehr ruhig, gerade im steileren Bereich kamen uns sehr wenige Leute unter und so konnten wir unseren Aufenthalt in vollen Zügen genießen.

 

Am Watchtower 23 – Mutianyu vom höchsten Punkt aus

 

Dieser Bereich der chinesischen Mauer wurde vor über 1400 Jahren erbaut, und die für Touristen zugänglichen 2,5 km beinhalten 23 Wachtürme von denen man einen wunderbaren Ausblick auf den umliegenden Pinien- und Zypressenwald hat.

Die Mauer an sich ist in etwa 7 Meter hoch und 4 bis 5 Meter breit an dieser Stelle. Für mich ist es immer unvorstellbar wie zu der damaligen Zeit mit reiner Muskelkraft ein derartiges Gebilde errichtet werden konnte.

Generell ist dieses architektonische Meisterwerk extrem beeindruckend und für mich ist mit dem Besuch ein Wunsch in Erfüllung gegangen der relativ weit oben auf meiner Bucketlist gestanden ist.

Wir genossen noch ein wenig die Aussicht und ehe wir uns versahen war der Aufenthalt wieder vorbei und wir machten uns auf den Weg zum Treffpunkt unserer Gruppe.

 

 

Jenny sammelte noch den Rest der Truppe ein und drückte Sascha ihren Wimpel mit dem grünen Plüschhasen in die Hand – das Merkmal an dem wir sie von den anderen Guides unterscheiden konnten – und kurz darauf waren wir auf der Heimreise zum Hotel.

Fazit des Tages als Obertouri: ich persönlich würde es das nächste Mal auf eigene Faust probieren (Mutianyu ist von Peking ca. 70 km entfernt und wie eingangs erwähnt auch mit den Öffis erreichbar; man muss sich hald ein bisschen darauf vorbereiten). Aber ich muss sagen, dass wir trotz meiner Befürchtungen von einer Verkaufsshow zur anderen zu fahren, einen wunderbaren Tag hatten. Vielen Leuten gibt eine Reisegruppe ein Gefühl von Sicherheit und es war schon nett sich einen Tag mal um Nichts kümmern zu müssen.

 

Jedem der nach China kommt lege ich ans Herz: seht euch die Chinesische Mauer in Mutianyu an! Es ist wirklich beeindruckend!

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