Der erste Besuch aus der Heimat / Nantong – Beijing – Xi’an – Shanghai (1/4)

Es ist jetzt drei Wochen aus, dass meine Familie wieder nach Hause geflogen ist und ich muss schon sagen, obwohl ich es sehr genossen habe meine Eltern und meinen Bruder zu sehen – der erste Besuch aus der Heimat ist schon etwas Besonderes – und mit ihnen diese Reise zu machen, war es doch sehr anstrengend. Aus diesem Grund und weil es immer etwas dauert die ganzen Eindrücke zu sammeln und in Worte zu fassen, hat es etwas gedauert bis ich diesen Eintrag schreiben konnte….

Ab dem Zeitpunkt wo meine Familie im März beschlossen hat zu uns zu fliegen gingen mir natürlich, neben der Vorfreude, viele Gedanken durch den Kopf. Was sehen wir uns an? Wie kommen wir wo hin? Wann machen wir was? Wird es ihnen gefallen? Wie wird der Abschied dann wieder? Und so weiter…. Als Gastgeber möchte man dass es seinen Gästen gefällt und ich war auch schon gespannt was sie zu unserem momentanen zu Hause sagen. Generell bin ich ein Mensch der sich meist zu viel Kopf macht….

 

Schnell stellte sich heraus, dass es nicht lange dauert die Reiseziele fest zu legen. Wie jeder der eine Reise nach China unternimmt, wollten auch meine Eltern die Chinesische Mauer sehen. Somit war Peking ein fixer Bestandteil der Tour. Dass sie unsere Heimat sehen wollen, war auch klar und so kam natürlich auch Nantong neben Shanghai – von wo der Heimflug dann wieder ging – auf unsere Liste.

In einem Gespräch erwähnte ich irgendwann auch die Terrakotta-Armee in Xi’an und da wir ohnehin zwei ganze Wochen zur Verfügung hatten, wollten wir auch dort noch hin.

 

Unsere Reiseroute (auf Google Maps)

Nachdem wir das geklärt hatten, konnte ich mich an die Detailplanung machen. Auf die letzten Urlaube hatte ich mich nicht so vorbereitet, aber wenn man zu fünft reist, muss man sich gewisse Dinge schon vorher überlegen.

Gerade weil alles auf der Karte so nah aussieht, sollte man sich zumindest überlegen wie man von einem Punkt zum nächsten kommt. Manchmal denkt man sich: „Mhh, das kann doch nicht so lange dauern“ und dann sieht man, dass es doch hunderte Kilometer sind die man plant abzuklappern.

So auch in unserem Fall. Insgesamt kam dann doch eine Gesamtstrecke von ca. 3.800 Kilometern zusammen die wir uns vorgenommen hatten zurück zu legen. Nach dem Aufenthalt bei uns in Nantong wollten wir 4 Nächte in Beijing, 3 Nächte in Xi’an und 3 Nächte in Shanghai verbringen. Um uns trotz des ungefähren Plans wo wir wie lange bleiben wollten flexibel zu halten, buchte ich nur das Hotel in Peking.

 

Der Tag der Ankunft rückte näher und so holte ich meine Eltern und meinen Bruder am Sonntag Vormittag vom Flughafen in Shanghai ab. Obwohl sie ziemlich müde waren, war die Wiedersehensfreude bei allen riesig und die Neugierde auf das Kommende stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Fahrt zurück verlief reibungslos und so kamen wir am frühen Nachmittag in Nantong an.

Für den ersten Tag hatten wir jetzt noch nichts geplant, da es ohnehin eine anstrengende Zeit werden würde und der Flug ja auch nicht ohne ist. Wir mussten also nur mehr schauen, dass sie nicht zu bald schlafen gehen (ansonsten heißt es: Jetlag Hallo). Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus und so holten wir uns zuerst etwas Chinesisches zu essen und am frühen Abend schauten wir uns noch gemeinsam mit Kollegen von uns in einer Bar MotoGP an. Die kritische Zeit hatten sie überstanden und danach fiel meine Familie ins Bett.

 

Für die nächsten beiden Tage bevor es nach Peking ging hatten wir uns vorgenommen, meinem Dad, meiner Mum und meinem Bruder Nantong und bevor es weiterging auch unsere Firma zu zeigen.

Nantong an sich ist jetzt keine super aufregende Stadt aber ein paar nette Plätzchen gibt es auch hier. Nachdem wir alle am Montag Früh gleich auf der Polizei gemeldet haben – dies muss man innerhalb von 24 Stunden nach Einreise selbst machen wenn man in keinem Hotel übernachtet dass das für einen erledigt – fuhren wir mit den Mopeds weiter in die Altstadt. Wir hatten uns von Arbeitskollegen zwei Mopeds geborgt damit wir nicht mit dem Öffis fahren mussten.

Neben den ersten kulinarischen Eindrücken schlenderten wir durch die Altstadt mit ihren Essensständen und dem Glockenturm und zeigten ihnen den Auchan (ein typisch chinesischer Supermarkt, vergleichbar mit unserem Maximarkt oder Spar) und spazierten auf den Wolf Mountain – auch bekannt als Langshan.

 

Am letzten Tag in Nantong frühstückten wir ausgiebig, fuhren mit dem öffentlichen Bus zur Firma wo meine Eltern einen Eindruck bekamen was wir hier in China eigentlich so machen (und ich gleich noch von einem Teammitglied von mir zu den Anmerkungen die ich vor meinem Urlaub hinterlassen hatte befragt wurde :-))  bevor es dann zuerst mit dem Minivan (98 RMB pro Person) den ich gebucht hatte nach Shanghai und von dort weiter nach Peking ging.

Die Fahrt mit dem Schnellzug (553 RMB pro Person) dauerte knapp 4 1/2 Stunden und obwohl es keiner unserer Gäste zugeben wollte hat sie dann der Jetlag ein bisschen eingeholt.

Jetlag?

Spät abends kamen wir dann in Beijing an und bezogen nur noch unser Hotel. Ich hatte drei Zimmer im Pentahotel gebucht, dass wirklich sehr zentral gelegen ansonsten aber nichts Besonderes ist. Ich weiß nicht ob die Zimmer generell so aussehn aber unseres war schon ein bisschen mitgenommen und der Teppichboden hatte auch schon bessere Zeiten erlebt. Aber bei einem Städtetrip hält man sich ohnehin nicht so viel im Zimmer auf und solange es halbwegs sauber ist, ist alles in Ordnung.

 

Verbotene Stadt in Peking

Wir hatten uns für den nächsten Morgen verabredet um dann gleich die Verbotene Stadt zu besuchen. Um 9 Uhr waren alle da, außer Sascha…. Wir warteten, riefen ihn an, läuteten bei seinem Zimmer – aber keine Reaktion. Typisch 🙂 Zu dem Schluss gekommen, dass er wohl sehr gut schläft – die Zugfahrt war ja soooo anstrengend gewesen – machten wir uns zu viert auf den Weg.

Wie gesagt liegt das Hotel sehr zentral und es dauerte nicht lange bis wir Tian’anmenxi (U-Bahn-Station) erreichten und uns dem Menschenstrom zum Eingang anschlossen. Bereits beim Aussteigen aus der Metro bietet sich nach ein paar Metern ein schöner Blick auf den Tiananmen Platz (Platz des Himmlischen Friedens) der früher Schauplatz vieler wichtiger Ereignisse wie zum Beispiel dem Ausruf der Volksrepublik China oder der großen Studentenproteste 1989 war. Der Platz selbst wurde nach dem Haupttor zum kaiserlichen Palast benannt – dem Tor des Himmlischen Friedens.

Tiananmen Platz

Der Name Verbotene Stadt rührt daher, dass während der Regentschaft der 24 Kaiser welche die Stadt als Refugium nutzten der einfachen Bevölkerung der Zutritt verwehrt blieb. Erst 1924 als der letzte Kaiser die Stadt verließ, wurde sie der Allgemeinheit zugänglich gemacht und 1987 zu einem UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Der Eingang zur Verbotenen Stadt

Wir hatten durch das Warten auf meinen Bruder einige Zeit verloren, aber dennoch mussten wir nicht lange warten. Eines muss man China wirklich zu Gute  halten – hier weiß man wie man mit Massen umgehen muss.

Während Besucher mit chinesischer ID ihre Tickets online kaufen können, muss man sich als Ausländer an einer Kasse anstellen und seine Eintrittskarten in Bar bezahlen (60 RMB pro Person). Es gäbe schon die Möglichkeit Tickets online zu reservieren (da täglich „nur“ 80.000 Eintrittskarten verkauft werden), diese Seite ist jedoch rein Chinesisch und macht das bestellen nicht gerade einfach.

Trotz der leichten Verspätung hatten wir Glück und mussten nicht lange anstehen. Und so konnten wir uns nach nur 10 Minuten auf den Weg durch das 720.000 m² große Areal machen.

Man sollte sich schon etwas Zeit für die Besichtigung nehmen, denn es warten 890 historische Gebäude auf deren Besichtigung. Um auch ein bisschen etwas über die Geschichte mitzubekommen, lohnt es sich einen Audioguide auszuborgen. Durch diesen werden einem auch verschiedene Wege durch die Stadt (je nachdem wie viel Zeit man hat) vorgeschlagen.

 

Das Mitunter wichtigste Gebäude findet sich gleich am Anfang des Rundgangs – die Halle der höchsten Harmonie – die auch den Drachenthron des Kaisers beherbergt.

Halle der höchsten Harmonie

Die Wichtigkeit des Gebäudes und somit auch der Person dessen die dieses beherbergt, kann anhand der Figuren auf den äußeren Giebeln der Dächer abgelesen werden. Je mehr zu finden sind, desto höher in der Rangordnung.

Figuren am Giebel – Indikator für Wichtigkeit

 

Um kurz vor 11 Uhr stieß dann auch mein Bruder zu uns (Zitat: „Boah hab ich gut geschlafen“). Und wir besichtigten den Rest des Palast-Areals gemeinsam. Es gäbe noch so viel zu berichten, aber das würde den Rahmen sprengen….

 

Überall findet man Figuren wie Löwen und Phönixe die als Wächter vor den Gebäuden stehen

Direkt gegenüber des Ausgangs der Verbotenen Stadt liegt ein kleiner Park – Jingshan Park – mit einem Hügel auf dessen Spitze ein Buddha-Tempel steht und von dem man einen schönen Blick auf die Verbotene Stadt hat. Von hier aus habe ich auch das Beitragsbild gemacht.

Ausblick vom Hügel des Jingshan Parks

Wir schlenderten dann noch gemütlich Richtung Hotel retour und suchten uns am Abend ein nettes chinesisches Restaurant. Für den kommendenTag stand der Ausflug zur Chinesischen Mauer auf dem Programm. Dieses Highlight findet ihr dann im nächsten Beitrag.

 

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