Eine Woche auf Hainan (2/2)

Donnerstag

Auch an diesem Tag ließ sich die Sonne nur durch eine Wolkendecke immer wieder blicken. Daher beschlossen wir dem Ort einen Besuch abzustatten und uns gleich vorab einmal wegen den Bussen zurück nach Sanya zu erkundigen (wir mussten ja am nächsten Tag schon wieder weiter).

Wir dachten daran den Weg wieder zu Fuß zurück zu legen, als wir aber ca. 2 km unterwegs waren, kam die Sonne heraus und brannte erbarmungslos auf die Straße herunter. Da kam es uns sehr gelegen, dass ein Bus vorbeikam den Stefan dann kurzerhand aufhielt.

Eine Viertelstunde später waren wir auch schon in Baoting Zentrum angekommen und gingen direkt Richtung Busbahnhof.

Dort standen wir wieder vor einer Sprachbarriere, konnten mit Hilfe unserer Übersetzungsapp aber herausfinden dass zumindest am Nachmittag die Busse nach Sanya sehr regelmäßig/ fast stündlich fuhren.

Also gingen wir davon aus, dass das am Vormittag auch der Fall sein würde.

Wir besuchten dann noch einen Gemüse- und Obstmarkt und wollten anschließend den Nachmittag am Pool verbringen um dort die wenigen Sonnenstrahlen zu genießen.

Die Rückfahrt mit dem Bus war wieder sehr lustig. Nachdem wir uns nicht sicher waren ob dies der richtige Bus war, zeigte ich dem Busfahrer auf Maps wo wir hinwollten. Dieser verstand aber genau gar nichts. Also zahlten wir die 2 RMB und stiegen einfach ein.

Der Bus war gerammelt voll und schon bei der vierten oder fünften Haltestelle (wo es bergauf ging und die Hotels begannen; Baoting Zentrum lag am Fuße des Hügels) hörten wir den Busfahrer bis zu uns nach hinten rufen „liǎng lǎowài!“ als ob er bei jeder Haltestelle fragen wollte ob das die richtige für uns ist. Wirklich sehr nett und aufmerksam.

Beim fünften Mal schaute er nur mehr breit grinsend zu uns und alle anderen Fahrgäste lachten schon.

Am Hotel angekommen verbrauchten wir den restlichen Nachmittag wie schon gesagt am Pool und machten uns dann fertig für das Abendessen.

Da wir nicht schon wieder Lust auf Hot Pot hatten und im anderen Restaurant auch nur rein chinesische Gerichte angeboten wurden (man muss dazusagen dass es zu zweit leider nicht so optimal ist typisch chinesisch zu essen da man doch normal viele verschiedene Gerichte bestellt sodass eine größere Auswahl entsteht), gingen wir enttäuscht zurück auf unser Zimmer.

Ehrlich gesagt verwunderte es uns, dass in einem Hilton die Auswahl doch so klein war.

Wir beschlossen uns Burger & Clubsandwich auf’s Zimmer bringen zu lassen und orderten über’s Telefon. Eine halbe Stunde später hörten wir es an der Nebenzimmertür klopfen.

Anfangs dachten wir uns nichts dabei, erst als niemand öffnete und das Klopfen nicht aufhörte riskierten wir einen Blick und mussten feststellen, dass unser Essen schon seit 5 Minuten vor der Tür des Nachbarn stand.

Der Zimmerservice-Junge Chester kam grinsend herein und entschuldigte sich für die Verspätung. Während er das Essen anrichtete erzählte er uns, dass er aus Nepal komme und hier arbeitete da es leichter war Arbeit zu finden.

Beim Essen dachte ich noch darüber nach wie es wohl war GANZ alleine in ein fremdes Land zu gehen um dort zu arbeiten. Stefan und ich hatten Gott sei Dank einander.

 

Freitag

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir wieder mit dem Bus in den Ort um von dort den Langstreckenbus zur Sanya Station zu nehmen. Von dort mussten wir noch weiter zu unserer Unterkunft. Da wir auf super Wetter gehofft hatten, habe ich eine ganz billige (259 RMB/Nacht für zwei Personen) in Yalong Bay gebucht. Nachdem man normalerweise nicht so viel Zeit am Zimmer verbringt und die Bewertungen gut waren, hatte ich das einfach gebucht, obwohl ich schon gerne in einem schönen Hotelzimmer mit Meerblick aufwache. Ein weiterer Grund warum ich Yalong Bay gewählt hatte, war dass es laut Beschreibung nicht ganz so überlaufen ist wie zum Beispiel Sanya Bay bzw. nicht ganz so nachtaktiv wie Dadonghai Bay. Wer es wirklich ruhig mag, der bucht ein Hotel in Haitang Bay wobei hier vorwiegend mittel- bis hochpreisige Hotels angesiedelt sind und der Weg zum Flughafen bereits relativ lange dauert.

Das wir uns von unserer Unterkunft nicht allzu viel erwarten konnten war klar, als wir jedoch nach dem Check-In auf unser Zimmer gingen, war ich stark enttäuscht. Das Nebengebäude wurde gerade saniert und entsprechender Lärm war zu hören – davon stand kein Wort in der Hotelbeschreibung. Zusätzlich muss man sagen, dass das Zimmer nicht gerade wie auf dem Foto online aussah (nicht nur Markler sind gute Fotografen). Also gingen wir zurück zur Rezeption und machten deutlich dass wir hier nicht bleiben wollten. Ich war ehrlich gesagt schon so weit, dass ich mir eine andere Unterkunft suchen wollte. Der Eigentümer – der übrigens auch gut Englisch konnte – war aber sehr zuvorkommend und gab uns ein kostenloses Upgrade auf ein Familienzimmer welches in einem anderen Gebäude lag und einen Balkon hatte. Auch das war keine Traum-Unterkunft aber hier konnten wir nun bleiben.

Unser Zimmer – wie gesagt, nichts Besonderes

Wir zogen uns um und gingen zu Fuß an den Strand – von unserem Hotel hatten wir nur 5-10 Minuten zu Fuß. Wie schon gesagt, war es eher bewölkt aber das störte anscheinend niemanden. Der Strand war voller Chinesen und Russen die mit ihren Handys dastanden und ein Selfie nach dem anderen schossen. Auch einige Brautpaare – Sanya ist ja bekannt für seine vielen Hochzeiten und After Wedding Shootings – waren zu sehen. Da es bereits später Nachmittag war, wollten wir heute nur noch einen Strandspaziergang machen und etwas essen. Das Reisen mit den Öffis in den letzten Tagen hatte uns doch ein wenig geschafft und wir wollten die nächsten Tage und somit auch unseren Urlaub ruhig ausklingen lassen.

 

Samstag/Sonntag

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit Sonnen, Lesen, Karten spielen und essen – wie man sich einen Badeurlaub eben vorstellt. Wir hatten Glück und das Wetter wurde noch besser, sodass wir auch baden konnten.

Obwohl wir uns mit Yalong Bay ja einen ruhigeren Teil von Sanya ausgesucht hatten, war der Strand schon ziemlich voll. Ich möchte mir nicht vorstellen wie es in Sanya Bay zugehen muss….. Wir suchten uns immer ein Plätzchen etwas abseits der Masse um so etwas Ruhe genießen zu können.

An den Abenden gingen wir immer in eine kleine offene Mall nahe der Strandpromenade die viele Restaurants, einen kleinen Supermarkt und einen Souvenirshop beherbergt. Generell muss man sagen, dass es auch nicht so viele andere Möglichkeiten gab – keine Ahnung ob das an der Reisezeit oder an der Tatsache dass die meisten Leute in den großen Hotelanlagen untergebracht sind und dann auch dort essen lag.

Da der Großteil der Urlauber aus China (und auch Russland) kommt, gab es – abgesehen vom obligatorischen KFC, Burger King und Mc Donalds – hauptsächlich chinesische oder Fischrestaurant – sehr zum Leidwesen meines Mannes der keinen Fisch mag. Auch in Sanya wird viel Gemüse gemeinsam mit Meeresfrüchten serviert. Die Zubereitung des Essens selbst unterscheidet sich nicht so stark von der Küche in Nantong, es ist vielleicht um einen Tick schärfer.

Nach dem Essen sind wir immer noch ein bisschen herumgeschlendert. Am Platz in der Mitte der Mall gab es eigentlich jeden Abend ein Unterhaltungsprogramm, von traditionellen Tänzen bis hin zum öffentlichen BBQ. Rundherum waren auch viele kleine Stände an denen Handgemachtes und natürlich auch Ramsch angeboten wird – Chinesen sind ja sehr anfällig für jede Art von Kitsch.

Hier entstand aus einer Frucht eine Art Perle indem die Schale entfernt und der Kern mit Schleifpapier bearbeitet wurde

Mall-Bereich

Montag

Am Montag ging es auch schon wieder nach Hause.

Meine Zusammenfassung von unserem ersten Urlaub innerhalb Chinas: ich persönlich würde mir den Aufenthalt in Haikou sparen. Hier gibt es eigentlich nicht so viel zu sehen und man erspart sich doch eine lange Fahrt mit den Öffis (wenn das mit dem Mietauto nicht so blöd gelaufen wäre – sieht die Sache vielleicht auch schon wieder anders auch).

Baoting bietet im Vergleich zu Sanya eine willkommen Abwechslung, gerade was die Flora betrifft.

Der Vergleich von Sanya mit Hawaii hinkt meines Erachtens ein wenig. Versteht mich nicht falsch, ich habe unseren Urlaub sehr genossen, aber verglichen mit Stränden die ich bis jetzt gesehen habe kann Sanya nicht mithalten. Also wer von Europa aus einen reinen Badeurlaub plant und eine derartig weite Reise auf sich nimmt, ist mit einem Aufenthalt in z.B.: Thailand besser bedient (meine persönliche Meinung). Als Abschluss einer Sightseeing-intensiven China-Reise ist es aber durchaus zu empfehlen – jedoch weiß ich nicht wie die internationalen Verbindung so sind.

Alles in allem hatten wir einen ereignisreichen und abwechslungsreichen Urlaub mit ein paar unvorhergesehen Wendungen – aber wir sind ja flexibel :-D.

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