Eine Woche auf Hainan (1/2)

Nachdem wir unseren Urlaub für 2017 noch verbrauchen mussten, hatten wir beschlossen noch vor Dezember wohin zu fahren. Die Zeit vor dem Jahresende ist meist recht stressig und so planten wir noch zwei Wochen Urlaub im November ein.

Wo sollte es hingehen? Ursprünglich hatten wir an die Philippinen gedacht, da hier aber bereits die Hauptreisezeit begann und wir sowieso noch mehr von China sehen wollten, schauten wir uns im Internet nach Inlandsdestinationen um. Eine Arbeitskollegin brachte mich dann auf Hainan. Diese Insel im Süden war als Hawaii von China bekannt und mit einer Flugzeit von knapp 3 Stunden für uns super gelegen.

Mit einer Durchschnittstemperatur von 25° im November konnte man hier Sightseeing mit einem Badeurlaub verbinden. Optimal für uns! Die Insel an sich ist auch nicht so groß und so hatten wir uns vorgenommen im Norden in Haikou zu landen, mit einem Mietauto Richtung Süden nach Sanya zu fahren und von dort wieder heim zufliegen. Haikou und Sanya liegen gerade einmal an die 290 km auseinander und so wollten wir auch in der Zeit in der wir das Mietauto hatten, noch irgendwo einen Zwischenstopp machen.

Die Reiseplanung stand, Flüge und Mietauto sowie das erste Hotel waren gebucht – es konnte losgehen.

Am Sonntag Nachmittag ging unser Flug und wir stiegen mit Vorfreude auf Sonne und Sommerwetter in den Flieger.

 

Montag

Ankunft in Haikou bei richtigem Sauwetter am Vorabend. Ich hatte ein günstiges Hotel (Civil Aviation) gebucht nachdem wir nur zwei Nächste hier verbrachten. Wie erwartet sprach hier niemand ein Wort Englisch, doch wir schafften es – wie immer – mit Händen und Füßen uns zu verständigen. Das Hotelzimmer an sich war nichts besonderes, aber ok. Was das Wetter betrifft hatten wir auf Besserung gehofft, leider war es aber auch heute ziemlich ungemütlich draußen. Wir wollten uns davon aber nicht die gute Laune verderben lassen und den Vulkan-Park ansehen.

Ich hatte im Internet nachgesehen und man konnte mit dem Bus bis zu einer Gabelung fahren um von dort die letzten Kilometer zu Fuß zu gehen.

Also stiegen wir gleich gegenüber vom Hotel in den Bus Nummer 24 und fuhren damit um 1 RMB bis zur Endstation. Dort warteten schon einige Tuk-Tuk-Fahrer die uns zum Einsteigen bewegen wollten. Da wir aber Angst hatten über den Tisch gezogen zu werden (hier kam man mit Englisch wirklich nicht weiter), starteten wir zu Fuß. Nach ein paar Metern blieb dann aber ein Gefährt mit einem älteren Paar und deren Sohn stehen und deuteten uns 4 RMB und wir sollen doch einsteigen – was wir dann auch machten.

Nach ca. 10 Min. auf der Ladefläche des umgebauten Mopeds kamen wir dann am Geopark an und zahlten den angekündigten Betrag.

An der Kasse holten wir uns dann die vergleichsweise teuren Tickets (60 RMB/Person) und machten uns auf den Weg durch den Park. Das Dickicht der Bäume hielt den größten Teil des Nieselregens ab und so wurden wir nur durch die Luftfeuchtigkeit etwas nass.

Der Park an sich war sehr schön angelegt und bei Sonnenschein hätte er sicher noch mehr an Charme gewonnen, wir hatten aber bei dem Wetter keine Lust allzu lange herumzulaufen und wollten gleich direkt zum Krater des größten Vulkans zu gehen.

Es war schon ganz cool wenn man sich vorstellte, dass hier vor nicht mal 100 Jahren noch Lava geflossen war!

Um den Krater herum war ein Rundweg angelegt, von dem man normalerweise einen guten Überblick über Haikou hatte. Aber auch hier hätte man bei schönem Wetter mehr davon gehabt.

Nach dem Rundgang beschlossen wir die 5,5 km zum Bus zu Fuß zurück zu legen. Etliche Busse, Taxis und Tuk-Tuk’s wollten uns mitnehmen, wir gingen lieber alleine weiter. Generell trafen wir auf dem Weg nur wenige Leute (was wieder einmal zeigte wie wenig sich Chinesen bewegen ;-)) und die sahen uns ganz verwundert an.

Das letzte Stück verwandelte sich der Nieselregen in richtigen Regen und so kamen wir total nass beim Bus an (an eine Regenjacke hatten wir beim Urlaub im Süden nicht gedacht…).

Zurück im Hotel zogen wir uns um und machten uns auf die Suche nach etwas zu essen und landeten im Anschluss in einem kantinen-ähnlichen Bereich in der Nähe eines Einkaufszentrums in dem ausschließlich Chinesen aßen. Ich persönlich mag solche Sachen, hier kann man wirklich authentisch chinesisch essen.

Wir gingen dann noch ein bisschen durch die Stadt und verbrachten den restlichen Nachmittag im Hotel bis wir uns am Abend noch einmal essen gingen.

Haikou abends

Alles in allem hatte ich mir Haikou anders vorgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns die Laune jedoch nicht verderben lassen. Umso besser, dass es dann weiter ging Richtung Süden. Ich war wirklich froh dass wir den Aufenthalt hier nicht länger geplant hatten.

 

Dienstag

Nachdem uns die Autovermittlung ein paar Tage zuvor mitgeteilt hatte, dass das von uns gebuchte Auto nun doch nicht verfügbar wäre und uns stattdessen eine teurere Variante angeboten hatte (die wir ablehnten), haben wir beschlossen mit dem Zug und Bus nach Baoting – unserer nächsten Reisestation – zu reisen bzw. blieb uns nichts anderes übrig.

Also fuhren wir mit dem Airport-Bus wieder zum Flughafen um von dort den High-Speed-Zug zu nehmen (entweder nach Lingshui oder Sanya, je nachdem welcher früher ging).

An der Flughafen-Bahnhaltestelle angekommen beschlossen wir nach Sanya zu fahren (95 RMB/Person), da der nächste Zug nach Lingshui erst zwei Stunden später ging. Von Sanya wollten wir dann den Bus nach Baoting nehmen. Leider etwas umständlich und langwierig, aber half ja nichts.

Die Fahrt mit der High-Speed-Train verging schnell und war sehr angenehm. Leider sah das Wetter auf dem Weg Richtung Süden auch nicht gerade verlockend aus, genauso wie in Haikou regnete es während der ganzen Fahrt. Gott sei Dank hörte es kurz vor Sanya auf.

Als wir dann aus dem Zug stiegen blies uns warme Luft und entsprechende Luftfeuchtigkeit entgegen. Endlich Sommerfeeling!

Leider war weit und breit kein Langstreckenbus zu sehen, also fragten wir uns durch und fanden nach ein paar Versuchen jemanden der etwas Englisch konnte und uns dann sagte, dass wir mit dem öffentlichen Bus Nr. 10 zur Sanya Station mussten (wäre ja zu einfach gewesen wenn die Haltestelle für den High-Speed-Train und die Langstreckenbusse die selbe gewesen wäre….). 24 Stopps und viele großen Augen später (nach wie vor sind in den Öffis nicht so viele Ausländer unterwegs) kam wir am Bahnhof an.

Dort kauften wir uns Tickets nach Baoting (21 RMB/Person) und bereiteten uns auf die weiteren 2 Stunden Fahrt vor. Generell ist es schon überraschend wie oft die Öffis zwischen den verschiedenen Destinationen hin und her fahren, gerade auch bei so langen Strecken (was ich gesehen habe fährt ca. stündlich ein Bus von Sanya nach Baoting).

Als wir dann im Bus saßen und ich meine Mails checkte traf mich fast der Schlag. Vor 10 Minuten hatte ich ein Mail bekommen, dass das von uns gebuchte Auto nun doch verfügbar wäre und um 2 pm in Haikou am Flughafen abholbereit wäre (20 Minuten! vor der reservierten Zeit). Auf 180 schrieb ich zurück dass ihnen wohl nicht bewusst war, dass das zu spät war uns zu informieren und wir bereits in Sanya waren. Das Problem an der Sache war, dass wir bei Reservierung unsere Kreditkarte angegeben hatten und die Gebühr automatisch abgebucht wurde. Nachdem wir bereits geschrieben hatten, dass wir die Buchung stornieren wollten wenn wir bis 10 Uhr vormittags keine Lösung erhielten, erwartete ich mir dennoch das wir das Geld zurückbekamen.

In Baoting angekommen dachten wir, dass es nicht mehr weit zu unserem Hotel war. Erst als wir etwas herumgelaufen waren, stellten wir fest, dass die Adresse in den Iphone maps nicht die richtige war. Etwas genervt riefen wir uns über Didi ein Taxi und kamen nach weiteren 7,8 km endlich im Hilton Double Tree an.

Dort erwartete uns ein freundliches Lächeln und warme Cookies zur Begrüßung – da sah die Welt gleich wieder besser aus. Unser Zimmer konnten wir auch schon beziehen und so  ließen wir uns gleich Wasser in unseren Zimmer-eigenen Hot Spring Pool am Balkon ein und den anstrengenden Tag gemütlich ausklingen.

 

Mittwoch

Der nächste Morgen begrüßte uns mit etwas Sonne hinter einer leichten Wolkendecke.

Da wir uns vorgenommen hatten den Mount Qixian zu besteigen und das Wetter nicht gerade zum Baden einlud, wollten wir das direkt am Mittwoch machen. Nach dem Frühstück (das zwar sehr umfangreich aber überraschend chinesisch für ein Hilton war) ging es los. Die Chinesen ließen sich bis zum Fuß des Berges natürlich mit dem Auto fahren, wir wollten die ca. 3 km vom Hotel gehen. Über eine ausgebaute Bergstraße ging es leicht steil bergauf.

Beim Hot Spring Park angekommen mussten wir ein Ticket lösen (48 RMB/Person) um in den Nationalpark zu gelangen. Über unzählige Steinstufen ging es dann durch einen Tropenwald hinauf.

Aufstieg Mt. Qixian

Während dem ca. 1 1/2 stündigen Aufstieg überholten wir ziemlich viele Chinesen (teilweise in Flip Flops) bis wir zum letzten und einzigen Kletterstück kamen, welches von einer Aussichtsplattform abging.

Das Wetter hier oben war leider nicht mehr so warm, da sich der Gipfel in einer Nebel-/Wolkendecke befand und es pfeifte ein kalter Wind. Nur ganz wenige der aufgestiegenen Besucher wagte den Aufstieg bis ganz nach oben, anstelle dessen sahen sie uns zu wie wir nach oben kletterten.

Der Nebel hatte den Stein rutschig gemacht und obwohl es nicht gerade anspruchsvoll war, hatte ich doch kein gutes Gefühl dabei. Am Gipfel angekommen war der Wind noch stärker und aufgrund des Nebels konnte man keine 10 Meter sehen. Daher machten wir uns auch gleich wieder auf den Weg nach unten.

Langsam stiegen wir ab und ich war sehr froh dass uns nicht viele Leute entgegenkamen, denn der Weg war sehr schmal.

Auf der Plattform angekommen erwarteten uns die ca. 40 Chinesen mit breitem Grinsen und tosendem Applaus. Es sah so aus als ob sie uns die ganze Zeit über beobachtet hatten. Etwas peinlich berührt (es war ja nicht wirklich ein Meisterstück auf diesen kleinen Berg zu steigen) machten wir uns wieder auf den Weg nach unten und ins Hotel.

Den Abend verbrachten wir dann in unserem Hot-Spring-Pool bevor wir uns zum Abendessen begaben.

In einem der beiden Restaurants gab es heute Hot-Pot-Buffet und nachdem wir das noch nie gegessen hatten, kam uns das sehr gelegen. Einen Hot Pot darf man sich wie einen Tischkamin mit herumlaufenden Wasserring vorstellen. Das Wasser wird bereits vorab mit einigen Aromen (in unsere Fall Kokosnuss und rote Früchte) versehen und darin wird dann das Fleisch und Gemüse nach Wahl gegart und mit selbst zubereiteten Saucen gegessen. Abschließend gab es noch warme Bananen vom Grill. Vollgegessen gingen wir ins Bett.

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