Seoul – so jung und schon so fortschrittlich (2/2)

Mittwoch

Am Mittwoch stand bei uns der Bukhansan National Park mit der Wanderung auf den Baegundea Peak auf dem Programm, worauf ich mich persönlich schon von dem Zeitpunkt an gefreut habe, als feststand dass wir nach Seoul fahren.

Wirklich cool an dem Ganzen ist, dass man mit der Metro bis zum Dorf am Fuße des Nationalparks fahren kann. Bereits in der Metro fiel uns auf, dass noch mehr sportlich gekleidete Menschen als sonst unterwegs waren. Dazu muss man sagen, dass die Koreaner ja ein sehr bewegungsfreudiges Volk sind. Viele sieht man auf der Straße so gekleidet als ob sie gleich einen Marathon laufen würden. Ich persönlich finde das sehr sympathisch, da ich mein Sportgewand liebe und auch gerne täglich darin herumlaufen würde.

Im besagten Dorf sind die Straßen von Sportgeschäften mit jeder Menge Wandersachen gesäumt. Durch den Ort durch, geht es über eine Art Forststraße bis zum Eingang des Nationalparks. Positiv überrascht waren wir von der Tatsache, dass hier kein Eintritt verlangt wird. Der Nationalpark dient den Koreanern anscheinend wirklich als eine Oase der Erholung und um den Kopf frei zu bekommen, was nicht durch den Kapitalismus zerstört werden soll.

Vom Startpunkt aus, kann man viele verschiedene Wege nehmen um die unterschiedlichen Gipfel zu besteigen. Wir haben uns einen der Bekanntesten ausgesucht und machten uns gemütlich auf den Weg.

Über einen Wanderweg ähnlich jenen bei uns daheim geht es dann ca. 1 Stunde 45 Minuten (bei gemächlichem Gang) bis zum Gipfel. Der Weg selber ist eine Abwechslung zwischen Holz-/Steinstufen, Erduntergrund sowie Felsen und festes Schuhwerk ist auf jeden Fall zu empfehlen. Wir hatten ehrlich gesagt  gedacht, dass es sich hierbei nur um einen kleinen Hügel handelt auf dem wir gleich oben sind. Es stellte sich dann aber heraus, dass richtige Wanderschuhe übertrieben gewesen aber Trekkingschuhe schon keine schlechte Idee gewesen wären (bei uns ging es ganz gut, aber bei Regen und nassem Untergrund hätten wir uns anders ausrüsten müssen).

Nach ca. 3/4 des Weges findet sich eine super nette Hütte, welche von einer alten Dame betrieben wird. Dort kann man etwas zu essen kaufen und sich für den letzten Teil der Strecke stärken. Diese Verpflegungsstelle hat einen eigenen Charme; an den Wänden hängen alte Schwarz-Weiß-Fotografien auf denen unterschiedliche Meilensteine dieser Berghütte dokumentiert sind und die alte Lady strahlt bei ihrer Arbeit eine Ruhe und Freundlichkeit aus wodurch man gerne ein paar Minuten dort verweilt. Nachdem wir uns etwas gestärkt hatten, ging es das letzte Stück in Richtung Gipfel.

Oben angekommen, bietet sich auf einem Steinplateau ein super Blick über Seoul und den Nationalpark.

Wir haben dann die Sonne noch etwas genossen bevor es auf dem Plateau zu voll wurde (es waren schon sehr viele Leute unterwegs, nachdem es ein so schöner Tag war) und wir den Abstieg antraten. Es war gut, dass wir gleich morgens Richtung Nationalpark gefahren sind, beim Runtergehen kamen uns sehr viele Leute entgegen und ich denke dass es am Gipfel sicher eng geworden ist.

 

Im Appartement angekommen machten wir uns frisch bevor wir uns ein Restaurant für’s Abendessen suchten. Der Gusto auf koreanisches Essen war mir persönlich beim Anblick der noch lebenden Tintenfische am Tag zuvor vergangen und daher verschlug es uns in ein kleines französisches Restaurant mit Namen „La Planque“ (übersetzt the Hideout – also nicht leicht finden) gleich in der Nähe unserer Wohnung in Itaewon. Dort haben wir das weltbeste Boeuf Bourguignon gegessen (ganz ehrlich – am liebsten hätte ich mich hineingelegt) und bei einer Flasche Wein einen netten Start in den Abend gehabt. Also wenn irgendwer von euch mal in Seoul ist, dieses Restaurant kann ich nur wärmstens empfehlen!

Anschließend tranken wir in einer Roof Top Bar noch ein paar Cocktails und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Roof Top Bar
Essen im La Planque

 

Donnerstag

Unser letzter ganzer Tag war am Donnerstag angebrochen und wir wollten noch gemütlich durch die Stadt schlendern und nebenbei ein paar Hot Spots von Seoul besuchen.

Die Männer wollten sich das Samsung-Museum ansehen (Gäääähhhnn…) welches „leider“ nicht geöffnet hatte. Davor bot sich uns aber ein nicht so schöner Anblick. Demonstranten hatten Plakate und selbst gebastelte Statuen aufgestellt, auf denen Samsung am Tod von vielen Mitarbeiten (Todesursache Krebs so weit wir das richtig übersetzt haben) die Schuld gegeben wurde. Möglicherweise war das der Grund warum das Museum auch nicht geöffnet hatte?! Ich hatte von diesen Vorwürfen noch nie etwas gehört, aber wahrscheinlich wurde das bewusst nicht über die Grenzen von Korea publik gemacht….

Proteste vor dem Samsung Museum

Mit einem etwas mulmigem Gefühl ging es für uns weiter in eines der wohlhabendsten Viertel von Seoul – irgendwie komisch wenn man zuvor über die Ausbeutung von Arbeitern nachdenkt – nach Gangnam. Wir wollten unbedingt die Heimat von Psy, dem verrückten Sänger und Erfinder des Gangnam Styles, besuchen.

Und obwohl er sich in seinem Lied über die Reichen und Schönen von Südkorea lustig macht, hatte man ihm eine Statue mit Video und Musik im Hintergrund gewidmet. Darunter mussten wir natürlich gleich performen.

Gangnam Style „Performance“

„Im Vorbeigehen“ sahen wir uns dann noch einen Tempel an (hört sich jetzt blöd an, aber nach einer Weile sehen alle Tempel gleich aus) bevor wir über DIE Designerstraße in Seoul schlenderten. Hier waren alle Größen wie Gucci, Versace,…. Seite an Seite mit Privatstores versammelt.

Ein weiteres Highlight für mich war die bekannte Bibliothek in der Coex Mall. Wirklich total schön wie diese angeordnet war. Dort könnte man viele Stunden beim Lesen verbringen.

Nachdem wir am Freitag schon nach Hause flogen und wir für diesen Tag nicht mehr viel geplant hatten, beschlossen wir abends noch fort zu gehen.

Nach dem Essen landeten wir im Drunken Monk (geführt von einem Koreaner der in Österreich gelebt hatte und wirklich sehr gut Deutsch sprach) in dem wir die Bekanntschaft von zwei Koreanern und einer Deutschlehrerin mit einem ihrer Schüler machten. Diese waren sehr freigiebig und so kam es, dass wir den restlichen Abend kaum noch Geld benötigten…. Entsprechend anstrengend war dann der nächste Tag 😉 aber wir hatten wirklich einen netten Abend und so nahm man etwas Kopfweh am Tag danach auch mal in Kauf.

 

Seoul – Land und Leute/ Unser Fazit

Gerade durch den schlechten Ruf von Nordkorea hört man immer wieder, dass Leute auch über Südkorea Vorurteile haben. Meines Erachtens völlig unbegründet. Die Menschen hier sind extrem offen, sehr gebildet und gastfreundlich. Fast alle Koreaner die wir kennen gelernt haben konnten sehr gut Englisch, was die Verständigung sehr einfach machte.

Anders als z.B.: die Chinesen gehen sie mit ehrlichem Interesse direkt auf einen zu (steht man an einer Kreuzung und sieht sich um, dauert es nicht lange bis einem Hilfe angeboten wird), sind von der Art/vom Benehmen sehr angenehm und leise.

Ein weiterer Aspekt der uns sehr positiv aufgefallen ist: obwohl Korea ja die Wiege von Samsung ist, unterhalten sich die Leute auf der Straße und in den Cafe’s miteinander, anstatt nur nebeneinander zu sitzen und in ihr Handy zu starren.

Ebenso cool finde ich die Sportlichkeit der Südkoreaner. Egal ob jung oder alt, alle sind hier sehr sportvernarrt und nur die wenigsten rauchen. Hier wird der Körper wirklich noch als Tempel betrachtet, den man achtet und wertschätzt.

 

Seoul an sich ist eine sehr hippe Stadt mit vielen kleinen Läden, Restaurants, Cafe’s und Bars in der man sich sehr gut die Zeit vertreiben kann. Es ist für mich noch immer beeindruckend wie weit dieses Land in einer so kurzen Zeit der Unabhängigkeit gekommen ist!

Alles in allem ein wirklich gelungener Urlaub!

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