Seoul – so jung und schon so fortschrittlich (1/2)

„Während der Golden Week musst du entweder aus China flüchten oder dich zu Hause verschanzen“

Das war eine der Aussagen die wir von unseren chinesischen Kollegen zu hören bekamen als wir darüber sprachen was wir in der Golden Week vor hatten.

Also nahmen wir sie beim Wort und suchten im Internet nach unserem ersten Reiseziel. Direkt kam uns Japan/Tokyo in den Sinn. Da wollte ich schon immer hin. Nachdem wir aber die Flugpreise gesehen hatten, verging uns das ganz schnell wieder. Dass Tokyo nicht gerade günstig ist wussten wir, aber für einen 3-Stunden-Flug über 900 Euro zu bezahlen kam für uns nicht in Frage. Somit mussten wir nach einer Alternative suchen.

Da wir nur eine Woche frei hatten, wollten wir auch nicht zu weit fliegen und so schauten wir einfach nach den günstigsten Flügen mit Flugzeiten unter 5 Stunden. Nachdem ich mit einem Kollegen – der uns begleiten wollte – einige Ziele in der Umgebung gecheckt hatte, beschlossen wir Seoul einen Besuch abzustatten.

Kurzentschlossen buchten wir für Montag bis Freitag und suchten gleich über Airbnb nach einer Unterkunft. Obwohl wir so kurzfristig dran waren, fanden wir auf Anhieb ein paar Unterkünfte die ganz nett aussahen. Nach ein paar Recherchen im Internet beschlossen wir in Stanley’s Appartment in Itaewon zu übernachten. Itaewon wurde im Internet als hippes Viertel mit vielen Restaurants und Bars beschrieben und den Bildern der Wohnung nach zu urteilen, ließ es sich dort gut eine Woche aushalten. Dazu sagen muss man auch, dass der Preis mit ca. 30 € pro Nacht für eine ganze Wohnung im Zentrum wirklich ok war.

Da wir wie gesagt eher knapp dran waren, machten wir nicht groß Reisepläne sondern schauten auf Google Trips kurz durch und markierten ein paar Sachen die für uns interessant aussahen. Ehrlich gesagt so unvorbereitet war ich bis jetzt noch auf keine Reise. 😉

Nachdem unser Flug am Montag schon sehr früh ging, wir nicht so bald aufstehen und kein Risiko bezüglich Verkehr eingehen wollten, buchten wir Nähe Hongqiao Airport ein Hotel für Sonntag auf Montag und reisten am Sonntag gemütlich mit dem Bus an. Busfahren ist in China wirklich eine der günstigsten Reisemöglichkeiten und obwohl wir während der Golden Week unterwegs waren, lief alles wirklich gesittet ab.

Montag

Der Flug am nächsten Tag verlief reibungslos und in Seoul mit der Metro kamen wir ganz einfach vom Gimpo Airport nach Itaewon. Die Metro in Seoul ist super sauber und wirklich ganz einfach zu verstehen. Wir haben uns eine Metro-Karte zum immer wieder aufladen gekauft, das kann ich nur empfehlen.

In Itaewon angekommen gingen wir noch etwas essen bevor wir uns mit unserem Gastgeber trafen und die Schlüsselübergabe und „Einweisung“ stattfand. Stanley selber war ein sehr netter Kerl, der uns gleich ein paar Tipps gab und seine Hilfe anbot falls wir ihn mal brauchen sollten.

Die Wohnung selber sah zwar aus wie auf den Fotos, jedoch wie eine ältere Version davon. Wie in einer Junggesellen-Wohnung oft üblich, war es ziemlich verstaubt, und die Möbel hatten schon ein bisschen was mitgemacht – nicht nur Markler sind gute Fotografen. Aber das wichtigste für mich war, dass es im Schlafzimmer und im Bad sauber war. Also grundsätzlich war es ok und wir hatten ja sowieso nicht vor so viel zu Hause zu sein.

 

Nachdem wir uns etwas frisch gemacht und uns umgezogen hatten, wollten wir noch etwas unternehmen. Also beschlossen wir gleich noch auf den Seoul Tower zu marschieren. Es war zwar schon später Nachmittag aber das würde sich schon ausgehen.

Um auch etwas von der Gegend zu sehen, machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Luftlinie war es gar nicht so weit.

Blick auf den Seoul-Tower

Also bahnten wir uns den Weg durch Wohngegenden, immer ungefähr in Richtung des Wahrzeichens von Seoul. Als wir am Fuße des Hügels angekommen waren, war es schon fast fünf und es kamen uns die meisten schon entgegen, nur wenige machten sich noch zu Fuß auf den Weg nach oben.

Weg auf den Seoul-Tower

Die meisten hatten wohl den Bus genommen, denn oben angekommen tummelten sich Menschenmassen um von der Spitze den Sonnenuntergang zu beobachten. Wir suchten uns ein halbwegs ruhiges Plätzchen und genossen den Ausblick. Seoul bei Nacht bietet wirklich einen wunderschönen Anblick!

Seoul bei Nacht

Nach unten gehen wollten wir dann doch nicht mehr – vor allem weil der Weg auf dem wir gekommen waren nicht beleuchtet ist- also nahmen wir den Bus und überlegten uns bei einem Bier noch was wir am nächsten Tag machen wollten.

 

Dienstag

Wir hatten am Vorabend beschlossen uns einen der bekanntesten Paläste – den Gyeongbokgung Palace – anzusehen, also fuhren wir mit der U-Bahn in diese Richtung und wanderten ein bisschen durch die Gärten und das Palastareal.

Hier bekamen wir auch einige junge Damen in der koreanischen Tracht – Hanbok genannt – zu sehen. Diese besteht aus vielen verschiedenen Schichten und wird sehr aufwendig, meist aus Seide, gefertigt. Anhand der Farbe lässt sich oft der Familienstand erahnen – bei unverheirateten Frauen sind die Farben oft leuchtend bunt, bei verheirateten Damen werden diese dezenter. Wie wir dann erfahren haben können Einzelstücke den Preis von Designergewand haben. Während die koreanische Tracht auf dem Land von älteren Frauen auch noch im Alltag getragen wird, wird sie im städtischen Bereich oft nur an Feiertagen bzw. zu feierlichen Anlässen ausgeführt.

Vom Palastareal aus ging es dann weiter in die nahe gelegene Altstadt (Bukchon Village). Ich persönlich liebe es ein Land zu erleben in dem man einfach durch die Stadt schlendert und sich treiben lässt, ohne von einer Touristenattraktion zur nächsten zu hetzen.

Natürlich wollten wir uns auch etwas ansehen wofür Seoul bekannt ist und so besuchten wir anschließend einen der ältesten Märkte in Seoul – den Gwangjang Market. Obwohl es sich eigentlich um einen Textilmarkt handelt, kommen die meisten Leute dorthin um das typische Essen an den vielen kleinen Ständen zu genießen. Aufgrund seiner Bekanntheit herrscht dort reges Treiben und gerade um die Mittagszeit sieht man dort vor allem Einheimische.

Den Tintenfisch nach traditioneller Zubereitung (bei lebendigem Leib gehackt und in Soße serviert) würde ich nie versuchen. Das ist für mich Tierquälerei auf höchstem Niveau und schlimm mit anzusehen wie er sich auf den Tellern dann noch windet!

Dafür haben wir die bekannten Mungbean pancakes probiert und für gut befunden.

Satt machten wir uns auf den Heimweg und beschlossen, den Großteil des Weges entlang des Cheonggyecheon Stromes zurückzulegen. Eine Oase der Ruhe – 4.6 m unter dem Straßenlevel gelegen – die viele Koreaner nutzen um einfach zu entspannen oder den Kopf frei zu bekommen.

Cheonggyecheon Walk

Zu Hause angekommen rasteten wir uns noch ein bisschen aus, bevor wir abends noch essen und auf einen Drink gingen. Wir wollten trotzdem nicht allzu spät ins Bett, denn am nächsten Tag stand der Bukhansan National Park auf dem Plan – auf den ich mich schon riesig freute!

Für den zweiten Teil der Woche folgt ein eigener Post.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.