Ein Zuhause fernab der Heimat….

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt sind wir mit Dienstag letzte Woche endlich in unsere Wohnung gezogen. Endlich weil sich die Suche doch als schwieriger gestaltet hat, als ich anfangs gedacht hatte. Hierzu muss man erwähnen, dass Wohnungssuche in China auf eigene Faust eigentlich nicht möglich ist. Es gibt nicht so wie bei uns Internetseiten wie willhaben mit Immobilienangeboten, sondern es läuft alles über kleine Maklerbüros. Diese finden sich dann dafür an jeder Straßenecke. Auch die Makler an sich sind leicht zu erkennen, denn es gibt einen nicht niedergeschriebenen Dresscode der aus weißer Bluse/weißem Hemd mit schwarzer Hose besteht.

Also wandten auch wir uns an die Maklerin die bis dato alle Wohnungen für unsere Firma gefunden hatte.

Anfangs hatte ich das Gefühl, dass die Maklerin eher unmotiviert war (wir hatten gehört, dass Chinesen – wenn sie bereits genug für dieses Monat verdient hatten – nicht mehr ganz so angestrengt arbeiten), denn sie zeigte uns auch Wohnungen die entweder außerhalb unseres Budgets waren oder generell nicht unseren Wünschen entsprachen. Wir wandten uns dann selbstständig noch an eine andere Maklerin, aber auch von ihr kam nicht das was wir uns vorstellten. Also hatten wir ihr Unrecht getan und es lag doch nicht an der Motivation sondern an der Tatsache, dass wohl wirklich gerade nicht so viele Wohnungen auf dem Markt waren die unseren Anforderungen entsprachen.

 

Natürlich war uns bewusst, dass man in einem fremden Land Abstriche machen muss, aber ein paar Punkte waren uns schon wichtig damit wir uns wohl fühlen konnten.

Zum Beispiel wollten wir die gleichen Quadratmeter wie zu Hause haben. Dazu muss man wissen, dass die angeschriebene Größe der Wohnungen in China nicht den unseren entspricht, da hier unter anderem der Raum vor der Wohnung, der Eingangsbereich unten und der Lift anteilsmäßig sowie die Wände dazugerechnet werden. Und so kam es, dass wir uns beim ersten Termin mit der Maklerin unserer Firma auch Wohnungen angesehen haben, die mit 90 m² angeschrieben, jedoch dann grade mal um die 60-70 m² hatten. Für uns dann doch zu klein, waren wir doch unsere 85 m² von Österreich gewohnt. Also änderten wir unsere Vorgaben auf Wohnungen ab 110 m². Da kamen wir was die Größe betrifft dann der Sache schon näher.

 

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich auch streiten. Und dass Chinesen einen Hang zu Kitsch haben, ist bereits manchen bekannt. Das spiegelt sich auch in vielen Wohnungen wider. Was unter Chinesen „European Style“ genannt wird, ist bei uns als Barock-Stil bekannt und war vielleicht vor zweihundert Jahren modern. So hatten wir in manchen Wohnzimmern das Gefühl Schloss Schönbrunn einen Besuch abzustatten. Nicht ganz das was wir suchten.

 

Ein weiterer Punkt der die Suche etwas einschränkte war, dass wir im selben Compound wie unsere Kollegen eine Wohnung haben wollten.

Das war kein Muss, aber wenn wir ebenfalls im Yulan Garden etwas haben konnten umso besser und es macht manche Dinge auch einfacher (zum Beispiel die Fahrt von und zur Arbeit, sich einfach mal kurz zu treffen…).

Es gibt im Umkreis ein paar unterschiedliche Compounds und wir haben uns auch, nachdem die ersten Besichtigungen nicht so prickelnd waren, in anderen Wohngegenden Appartements angesehen. Aber man muss wirklich sagen, dass die Magnolia Appartements wie sie auch genannt werden am besten aufgeteilt sind. Auch die Grünanlagen sind sehr schön gestaltet, es ist  sauber und die Sicherheitsvorkehrungen – nicht dass ich in Nantong jemals Angst gehabt hätte – sind auch sehr vorbildlich. Am Eingang stehen Pförtner, die Einfahrt zur Tiefgarage ist video-überwacht und  man kann mit dem Lift nur mit einem Chip der den Mietern vorbehalten ist hochfahren.

Dies – und die Tatsache dass diese Wohnungen in der Nähe von guten Schulen liegen – ist der Grund warum hier vorrangig reiche Chinesen leben (in der Tiefgarage haben schon ein paar Porsche, Ferrari, usw. stehen gesehen), denn für chinesische Verhältnisse sind die Wohnungen hier sehr teuer.

 

Apropos Geld: das Budget dass wir für die Wohnung hatten, wollten wir nicht überschreiten. Da es bis dato aber bei allen Kollegen gereicht hat gingen wir auch davon aus, dass es bei uns passen würde.

 

Was mir persönlich auch wichtig ist, ist eine gewisse Grundsauberkeit. Man sollte meinen, dass dies in einem Compound wie dem Yulan Garden kein Thema sein sollte. Leider falsch gedacht. Wir bekamen auch Wohnungen zu Gesicht, in denen meiner Meinung nach noch nie jemand den Dunstabzug geputzt hat und das obwohl Chinesen bekanntlich viel frittieren. Ihr könnt euch vorstellen wie der dann ausgesehen hat…. . Nie im Leben wäre das wieder sauber geworden. Auch wenn die Wohnung an sich nicht schlecht gewesen wäre, war das für mich ein KO-Kriterium. Dies dem sonst netten Vermieter beizubringen haben wir unterlassen, denn ich denke dass Vielen das gar nicht bewusst und der Anspruch an Sauberkeit für manche nicht so hoch ist.

 

Letztendlich haben wir dann aber „unsere“ Wohnung gefunden. Und für uns hat sich das Warten dann wirklich gelohnt!

Wir sind nun in ein Appartement im Yulan Garden mit 138 (chinesischen) m² gezogen. Dieses setzt sich aus einem großen Wohn-Essbereich, einem Gästezimmer mit kleinem Gästebad (also die angekündigten Besuche können ab sofort stattfinden :-)), einem Büro, unserem Schlafzimmer mit Bad und sogar einem Schrankraum zusammen. Auch wenn es wie schon beschrieben keine wirklichen 138 sind, für uns auf jeden Fall groß genug. Ein paar Eindrücke findet ihr in der folgenden Galerie:

 

 

Wie man auf den Bildern sieht, ist die Wohnung für chinesische Verhältnisse sehr schlicht, hell und modern eingerichtet. Ebenfalls untypisch, aber für uns umso erfreulicher ist, dass wir einen Ofen haben. Ein kleiner Kompromiss den wir eingegangen sind ist, dass wir leider keinen Geschirrspüler und keine Fußbodenheizung haben. Aber da wir nur im Wohnbereich und im Bad einen Fliesenböden haben hoffen wir, dass es im Winter nicht allzu kalt wird.

 

Wir können uns wirklich glücklich schätzen diese Wohnung gefunden zu haben und möchten uns auch noch einmal bei unserer Firma bedanken, dass sie das möglich macht.

 

Auch wenn manchmal Heimweh aufkommt, ist diese Wohnung für uns jetzt ein Zuhause fernab der Heimat und ermöglicht uns nun richtig in China anzukommen.

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