Ein kleines Stückchen Freiheit…

… haben wir mit dem Kauf unseres Ebikes zurück erlangt.

Gleich von Anfang an als wir ankamen war klar, dass wir uns ein derartiges Gefährt zulegen wollten, denn auch wenn wir bald den Führerschein machen wollen, ist das Moped im Vergleich zum Auto gerade für Kurzstrecken sehr praktisch. Nicht nur wegen der Parkplatzsuche sondern generell kommt man in der Innenstadt damit schneller voran als mit dem Auto.

Da wir uns aber nicht wieder von den anderen Geld ausborgen wollten und nochmals Euro zu wechseln für uns auch keine Option war, musste ich bis zum ersten September warten.

Als dann das erste Gehalt auf dem Konto war, wollte ich gleich am Samstag los. Von den anderen Expats wurde ich noch vorgewarnt mich nicht über den Tisch ziehen zu lassen, da einer unserer Kollegen zu viel für sein Bike gezahlt hatte. Je nach Modell sollte ich mit 2500 bis 2800 RMB auskommen. Ich ließ mir noch die Adresse eines größeren Stores schicken in dem sich mehrere Händler befinden – dadurch erhoffte ich mir eine bessere Verhandlungsbasis – und wollte mich gleich Samstag morgens allein auf den Weg machen (Stefan war in der Arbeit, ich wollte aber nicht länger warten).

Gerade als ich vom Frühstück retour kam, rief mich dann ein Kollege an und meinte ob sie mich in die Innenstadt mitnehmen sollten, da er und seine Frau sowieso in die gleiche Richtung mussten. Dankbar sagte ich zu. Ich ging mit ihnen noch auf einen Kaffee und sie boten mir an mich zum Einkaufen zu begleiten.

Also gingen wir gemeinsam in den Moped-Store. Tatsächlich lagen dort direkt 6 oder 7 verschiedene Verkäufer nebeneinander. Die Frau meines Kollegen übernahm die Initiative und das Verhandeln, sie hatte auf der Nantong University zwei Semester Chinesisch studiert was das Ganze ziemlich erleichterte. Ich muss gestehen, dass Verhandeln über den Preis wäre vielleicht auch ohne Chinesisch gegangen aber die Diskussion über Details wäre für mich schon schwierig geworden.  Denn ich hatte schon eine ungefähre Vorstellung wie mein Bike aussehen sollte, ich wollte eine eher unauffällige Farbe, einen großen Kofferraum, eine 60V Batterie und nach Möglichkeit einen leichten Retro-Look.

Nachdem wir bei so ziemlich allen Händlern gewesen waren und eine ungefähre Ahnung hatten, was preislich möglich war, ging es zurück zur ersten Händlerin bei dir wir ein entsprechendes Modell gesehen hatten. Nach weiteren 15 Minuten verhandeln hatten wir uns auf 2700 RMB geeinigt (Ausgangsbasis war wenn ich mich richtig erinnere 3100 RMB gewesen).

Unser Bike

Um Diebstahl zu vermeiden werden die Mopeds immer ohne Accessoires und Batterie ausgestellt. Da die Montage doch ein wenig dauerte, verabschiedeten sich mein Kollege und seine Frau nachdem sie mir noch ungefähr die Richtung angesagt hatten in die ich wieder Richtung Hotel fahren musste und sie mir noch ein paar Hinweise für den Abschluss des Kaufs gaben. „Fahr nicht ohne dass sie dir die Spiegel, und das Nummernschild montiert haben und prüf noch die Bremsen und das Licht“.

Leichter gesagt als getan 🙂 Das mit den Spiegeln war noch ganz einfach im Vergleich zum Rest. Die Verkäuferin witterte schon das nächste Geschäft – es waren relativ viele Leute in den Stores unterwegs – und versuchte mir zu verklickern dass sie mir ihr Nummerschild geben möchte (ich denke um sich so den Weg zu ersparen ein neues zu organisieren – in Österreich wäre das nie möglich einfach das Nummernschild einer anderen Person zu verwenden – in China geht es nur darum dass man eines hat), nur leider verstand ich sie nicht. Mit Händen und Füßen sowie diversen Handy-Übersetzungsapp schafften wir es die restlichen Dinge zu klären. Die Verkäuferin gab mir noch eine kleine Einschulung und sah mir dann grinsend zu wie ich wegfuhr (so oft hatte sie wohl noch nie ein Bike an Ausländer verkauft).

Unser Bike inkl. Nummernschild

Da mein erster Freund damals gleich ein Auto hatte, bin ich zuvor noch nie auf einem Roller oder dergleichen gesessen, aber ich muss sagen dass es mir gleich leicht gefallen ist und richtig Spaß macht durch die Straßen von Nantong zu düsen.

Ich wollte versuchen ohne Navi zurück zum Hotel zu finden. Mein Kollege hatte mir gesagt welche große Straße ich nehmen musste um in Richtung Jinshi zu kommen, wenn ich die mal hatte, wäre der Rest ein Kinderspiel.

Gefolgt von neugierigen Blicken der Chinesen reihte ich mich in der Innenstadt an den Kreuzungen zwischen den dicht an dicht stehenden Bikes ein. Am Anfang ein etwas komisches Gefühl an das ich mich aber sofort gewöhnte. Je weiter ich mich von der Innenstadt entfernte, desto weniger Verkehr war auf den Straßen und ich konnte testen wie schnell unsere neues Gefährt ging. Überraschenderweise schien auf der Anzeige über 60 km/h auf. Ich hätte nie gedacht dass diese Ebikes so schnell fuhren.

Nach knapp einer halben Stunde kam ich beim Hotel an und konnte Stefan, der in der Zwischenzeit von der Arbeit zu Hause war, meine Errungenschaft zeigen. Auch er war begeistert und wir drehten gleich eine Runde gemeinsam.

Wir ließen den Tag noch gemütlich ausklingen und stießen am Abend auf unsere zurückerlangte Mobilität an.

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