Meine erste Reise nach China

Im Rahmen meiner Einarbeitung war für Ende April ein zweiwöchiger Aufenthalt in Nantong eingeplant um die Arbeitsweise vor Ort,  meine zukünftigen Aufgabengebiete und Kollegen kennen zu lernen. Ich persönlich wollte zudem überprüfen ob das bis dato neu Erlernte soweit gefestigt war um mich der neuen Herausforderung zu stellen und diese zu meistern. Und da ich die Orientierungswoche im Dezember nicht mitmachen konnte, freute ich mich auch schon riesig darauf mir selbst einen Eindruck zu verschaffen.

So kam es, dass ich gemeinsam mit einer Kollegin – welche ab September ebenfalls unser Team verstärken würde – die Reise antrat. Wir hatten uns vorher zwar schon kurz gesehen, doch wirklich viel geredet hatten wir bis dato noch nicht. Da wir uns von Anfang an gut verstanden, holten wir das dann während der Anreise nach.

Zur Vorfreude die ich verspürte mischte sich natürlich auch etwas Nervosität. Ich hatte meine Entscheidung auf Basis der Erzählungen, Bilder und Videos von Stefan getroffen. Würde es mir genauso gut gefallen wie ihm? Wie würden die neuen Kollegen sein? Entsprach meine Erwartungshaltung den Gegebenheiten vor Ort? Wie empfinde ich das mit der Luftqualität? Und, und, und….

Genauso gespannt wie ich wie es mir gefallen würde war natürlich auch Stefan, der – ebenfalls zur weiteren Vorbereitung – schon zwei Wochen vor mir angereist war. Wir würden eine Woche gemeinsam verbringen bevor es für ihn wieder ab nach Hause ging.

Als Petra und ich dann in Shanghai ankamen waren wir schon ziemlich geschlaucht. Leider gab es an unserem Anreisetag keinen Direktflug von Wien nach Shanghai Pudong und so waren wir doch insgesamt fast 24 Stunden unterwegs (von zu Hause, inkl. Zug und allem). Als wir dann vom Flughafen im Taxi Richtung Nantong unterwegs waren und den doch dunstigen Himmel betrachteten, dachte ich nur: naja wirklich schön ist es hier nicht.

Je weiter wir uns jedoch vom Flughafengelände (das ja bekanntlich in zB.: Wien auch nicht das schönste ist) und von Shanghai entfernten, desto blauer wurde der Himmel und die Sonne lachte uns entgegen. Meine Laune besserte sich Kilometer für Kilometer. Am Jinshi Hotel in Nantong wurden wir schon von unseren Männern erwartet.

Unser Zimmer im Jinshi

Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten gingen wir eine Runde spazieren um die Gegend zu erkunden. Immerhin war es in China gerade mal Nachmittag und obwohl wir schon so lange unterwegs waren, somit an Schlaf noch nicht zu denken. Wir wollten vermeiden dass uns der Jetlag einholt. Wir gingen etwas spazieren und genossen die Sonne. Mein erster Eindruck von Nantong war durchaus positiv, es war um Vieles weitläufiger und grüner als Shanghai.

Park gegenüber vom Hotel

Für den frühen Abend verabredeten wir uns mit ein paar unserer neuen Kollegen zum Chinesisch-Essen. Eine nette Gelegenheit diese schon mal etwas kennen zu lernen. Wir verbrachten einen angenehmen Abend, gingen dann jedoch bald ins Bett um für unseren ersten Arbeitstag fit zu sein.

Am nächsten Morgen wurden wir dann vom Hotel abgeholt um gemeinsam zur Firma zu fahren. Generell ist es an unserem Standort in China so, dass die Expats meist gemeinsam zur Firma und wieder nach Hause fahren und die dortigen Firmenautos hierfür genutzt werden können. Da der österreichische Führerschein in China nicht anerkannt wird und man den Chinesischen erst neu machen muss, werden die Neuankömmlinge anfangs immer abgeholt.

Vom Hotel und von den Wohnungen der anderen (diese sind nicht weit vom Jinshi entfernt) sind es ca. 20 Minuten zur Firma. Den Businesspark in dem unser Standort liegt, hatte ich mir anders vorgestellt. Mir schwebte vor meinem geistigen Auge das Bild eines kahlen und düsteren Industriegebietes vor. Es stellte sich heraus dass dieser aber sehr großzügig und weitläufig angelegt und schön bepflanzt war.

Businesspark in dem der Firmenstandort liegt

Den ersten Arbeitstag verbrachten wir damit uns mit den restlichen Kollegen und mit dem Standort bekannt zu machen.

Der erste Eindruck vom Firmengebäude war gleich sehr gut. Auch hier darf man sich nicht Vorurteilen hingeben. Die Büros sind sehr hell und freundlich gestaltet. Natürlich ist der Platz nicht so großzügig berechnet wie in Österreich, aber auf jeden Fall ausreichend. Man muss auch im Hinterkopf behalten dass unsere Firma ein Produktionsbetrieb ist, entsprechend sind die Platzverhältnisse zwischen Büro und Workshop aufgeteilt.

Auch meine Kollegen und Vorgesetzten wirkten auf den ersten Blick sehr sympathisch. Dies bestätigte sich auch im Laufe der zwei Wochen. Generell kann man sagen, dass es zwar eine sehr bunt zusammengewürfelte Truppe ist – die einen mit Kind und Familie, die anderen jung und alleinstehend – der Zusammenhalt unter den Expats aber wirklich sehr gut ist. Ich denke das liegt daran, dass es doch allen gleich geht, alle arbeiten in einem fremden Land weit weg von zu Hause.

Und so wird am Abend nach der Arbeit auch viel gemeinsam unternommen. Meist trifft man sich gleich danach noch zum Essen, bevor man den verbleibenden Abend – der meist eher kurz ist – noch ausklingen lässt.

Unter der Woche gingen wir meistens westlich essen da die anderen, aufgrund des bereits langen Aufenthalts, nicht mehr so viel Lust auf chinesisches Essen hatten. Gerade weil wir in der Firma zu Mittag sowieso immer etwas von einem naheliegenden Nudelhaus geliefert bekommen.

Mir persönlich schmeckt das chinesische Essen sehr gut. Anders als vermutet wird nicht so viel Reis, sondern mehr Nudeln – in den verschiedensten Variationen, egal ob in der Suppe oder als Beilage – und viel Gemüse gegessen. Das hat wohl damit zu tun, dass Reis in China mittlerweile als Nahrungsmittel für die ärmere Bevölkerung angesehen wird. In manchen Restaurants wird der Reis zum Beispiel gar nicht direkt gebracht, sondern man muss ihn separat bestellen bzw. manchmal wird er erst am Ende eines Essens als „Sattmacher“ gebracht. In der alltäglichen Küche ist er aber nach wie vor noch ein wichtiger Bestandteil.

Meine Kollegin Petra und ich haben auch die „Einheimischenlokale“ nahe unserem Hotel erkundet. Man darf sich nicht vom äußeren Erscheinungsbild bzw. von der Sprachbarriere abschrecken lassen. Wir haben die Leute auf der Straße etwas beobachtet und dann einfach unser Glück versucht. Ein guter Tipp ist auf jeden Fall:  da wo viele Chinese essen, ist es normalerweise gut. Und auch wenn dort keiner Englisch konnte, mit Händen und Füßen haben wir es trotzdem geschafft etwas zu bestellen.

Also – einfach seine Hemmungen über Bord werfen und Versuchen!!!

Abendessen in einem typisch chinesischen Lokal

Dies gilt eigentlich generell für alles was man unternehmen möchte. Man darf sich nicht von den unverständlichen Schriftzeichen abschrecken lassen.

Genau das dachten uns Petra und ich als unsere Männer eine Woche vor uns nach Hause flogen. Wir fuhren alle gemeinsam mit dem Taxi nach Shanghai um dort die Nacht zu verbringen (die Zimmer für unsere Männer waren sowieso schon gebucht) und Petra und ich hatten vor dann am nächsten Tag mit dem Long-Distance-Bus vom Flughafen retour nach Nantong zu fahren. Da wir die unterschiedlichsten Erfahrungen hierzu hörten, ließen wir uns zur Sicherheit von unseren chinesischen Kollegen ein paar Sätze auf Chinesisch aufschreiben die wir ev. für den Ticketkauf oder die Busfahrt benötigen würden. Das chinesische Zeichen für Nantong hatten wir uns bereits gut eingeprägt.

Nachdem wir uns von unseren Männer verabschiedet hatten gingen wir also in Richtung Busstation, diese war anfangs am Flughafengelände noch gut angeschrieben. Sobald wir aber dieses verlassen hatten, sah die Sache schon anders aus. Wir wurden gleich von einem chinesischen Herrn angesprochen der uns eine private Taxifahrt zurück nach Nantong verkaufen wollte, da der Bus „schon voll war“. Nach einem höflichen aber doch bestimmten „Bu yao“ ließ er uns dann doch in Ruhe und wir gingen weiter Richtung Busbahnhof. Also wir dort ankamen hatte sich bereits eine lange Schlange vor den Schaltern gebildet. Wir stellten uns – begleitet von ungläubigen Blicken dass zwei Ausländer mit dem Bus fahren – an und nach knapp 20 Minuten hielten wir unser Ticket in Händen. Das Ganze war unkomplizierter als gedacht.

Busticket nach Nantong

Nun mussten wir nur noch die richtige Plattform und den richtigen Bus erwischen. Im Vergleich zum Ticketkauf war dies etwas kniffliger, da die Lautsprecherdurchsagen rein chinesisch waren. Durch unser aufmerksames beobachten fanden wir jedoch heraus, wer noch den Bus nach Nantong nehmen würde und so orientierten wir uns an diesen Personen.

Wir waren dann doch etwas erleichtert als wir im Bus saßen, stellten aber fest dass es doch einfacher war als gedacht und sich auf jeden Fall lohnte. Ein Busticket kostet im Vergleich zu einer Taxifahrt ja nur einen Bruchteil. In Nantong angekommen, mussten wir vom Busbahnhof wieder zu unserem Hotel und da das mit dem Bus ja so gut geklappt hatte, wollten wir wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Auch hier folgten uns wieder viele Blicke. 🙂 Nachdem wir durch fragen wieder den richtigen Bus gefunden hatten, kamen wir rasch und vor allem um ein paar Erfahrungen reicher im Hotel an.

Die letzte Woche verging wie im Flug. Was die Arbeit betrifft, bekam ich in einen guten Einblick was die nächste Zeit so auf mich zukommen würde und ich kann sagen, dass es auf jeden Fall eine Herausforderung wird, der ich mich sehr gerne stelle!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr positiv überrascht war von unserer bald neuen Heimat und ich mich – obwohl der Abschied sicher schwer wird – auf die spannende Zeit freue!

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