Die Entscheidungsfindung…

…ist uns natürlich nicht leicht gefallen. Damit ihr wisst welche Aspekte wir betrachtet haben und was unsere Entscheidung beeinflusst hat, möchte ich euch unten ein paar Punkte zusammenfassen.

Soziale Kontakte, Familie und Freunde

Das war/ist mitunter das was mich am meisten beschäftigt. So weit weg von unseren Liebsten zu sein und nicht einfach die Möglichkeit zu haben sie zu besuchen. Sowohl ich als auch Stefan sind sehr heimatverbunden und auch wenn wir unsere Familien nicht jedoch Woche mehrmals sehen, ist es uns doch wichtig laufenden Kontakt zu haben.

Als wir meinen Großeltern davon erzählten, habe ich schon gemerkt dass sie sich Gedanken machten – sie sind zwar noch topfit, aber man weiß ja nie… . Es wäre gelogen wenn ich sagen würde, dass mich das nicht auch beschäftigt aber da sie ja wie gesagt noch super fit sind denken wir positiv und gehen davon aus, dass das auch die nächsten Jahre noch so bleibt und wir dann gemeinsam unsere Heimkehr ausgelassen feiern können.

Unsere Eltern haben die Entscheidung überraschend gut aufgenommen. Ich denke es fällt ihnen nicht leicht uns gehen zu sehn, aber da sie die Thematik von Anfang an – eigentlich schon ab dem Zeitpunkt wo wir das Angebot bekamen – mitbekommen haben und wir sie auch vorher schon mit einbezogen hatten, waren sie nicht mehr ganz so geschockt.

Ebenso wie zu meinen Eltern und Großeltern habe ich auch zu meinem „kleinen“ Bruder (das trifft lediglich auf das Alter, nicht aber auf die Größe zu 😉 ) ein sehr gutes Verhältnis. Ansonsten hätten wir unsere gemeinsame Rucksack-Tour durch Myanmar wohl kaum so gut überstanden. Mit ihm und seiner Freundin lassen wir oft das Wochenende bei einem gemütlichen Essen ausklingen.

Ein weiterer für mich ganz wichtiger Mensch den ich wahnsinnig vermissen werde, ist meine beste Freundin Tina. Momentan wohnen wir nur 5 Gehminuten auseinander und somit konnten wir uns oft kurzfristig auf einen Kaffee bzw. Ratscher treffen. Einfach nur so. Und obwohl es heutzutage mit den technischen Hilfsmitteln wie Whatsapp oder Skype leicht ist in Kontakt zu bleiben, wird mir das Persönliche sicher fehlen. Es ist ja doch etwas anderes wenn man dem Gesprächspartner direkt gegenübersitzt. Wir haben aber vereinbart, dass wir uns jederzeit gegenseitig schreiben oder anrufen können – egal um welche Zeit (ich denke am Anfang wird es vielleicht des Öfteren passieren dass man die Zeitverschiebung vergisst).

Auch wenn der Eine oder Andere anfangs ziemlich entsetzt war (Zitat: „Spinnst du, du kannst mich doch nicht so lange alleine lassen“) haben wir doch von unseren Familien und Freunden die bestmögliche Unterstützung, wofür wir sehr dankbar sind!

Und nachdem Flüge nach China durchaus erschwinglich sind hoffen wir, dass viele unserer Freunde die Chance nutzen um uns zu besuchen!

 

Fitness/Freizeitgestaltung

Einen Großteil meiner Freizeit verbringe ich aktuell mit Sport. Egal ob Wandern, Laufen, Radfahren oder Groupfitness-Stunden bzw. Tanzen im Welser Turnverein, für mich ist es wichtig ausreichend Bewegung zu haben. Mir ist bewusst, dass Outdoor-Sport in China etwas schwierig wird (nicht nur wegen der manchmal schlechten Luftqualität – aber dazu später – sondern weil zB.: Laufen in der Stadt eher weniger Spaß macht und es in Nantong keine Berge zum Wandern gibt). Eine Alternative dazu bietet aber für mich auf jeden Fall ein Fitnessstudio. Während Stefans erstem Aufenthalt hat er bereits ein Studio besucht und ich habe vor mich dort anzumelden sobald wir angekommen sind.

Nantong ist zwar eine eher kleine Stadt – verglichen zu Shanghai – aber was wir von den anderen Expats so gehört haben, lässt sich die Freizeit eigentlich so gestalten wie zu Hause auch. Ich bin gespannt was wir dann wirklich immer unternehmen werden, wir haben uns aber auf jeden Fall vorgenommen die Zeit zu nutzen um China und den asiatischen Raum zu erkunden. Entsprechende Reiseberichte folgen.

 

Lebens-/Familienplanung

Obwohl wir vorher noch nicht konkret Kinder geplant hatten, darf man diesen Punkt bei einem längeren Auslandsaufenthalt in unserem Alter (wie sich das anhört 🙂 ) nicht außer Acht lassen. Für mich stand von Anfang an fest: wenn wir nach China gehen wird die Familienplanung auf danach verschoben.

Ich könnte mir nicht vorstellen im Ausland ein Kind zu bekommen. Nicht weil ich mir das – wie in unserem Fall – in China nicht vorstellen könnte (die medizinische Versorgung in westlichen Krankenhäusern ist mit jener in Österreich zu vergleichen), sondern weil ich diese Erfahrung gerne mit meiner Familie und meinen Freunden teilen möchte. Ich möchte dass meine Kinder mit Großeltern und hoffentlich auch noch Urgroßeltern aufwachsen.

Weiters könnte ich mir nicht vorstellen, den ganzen Tag alleine zu Hause zu sein während Stefan wahrscheinlich viel und lange arbeitet (die Mithilfe beim Ausbau eines Standorts im Ausland ist immerhin eine große Herausforderung). Wahrscheinlich findet man mit Kindern auch im Ausland schnell Anschluss aber bis man diesen hat, würde es – denke ich – etwas dauern.

Ich kenne Pärchen für die das alles kein Problem ist aber in diesem Punkt sollte jeder für sich den richtigen Weg finden und wir haben für uns eine Entscheidung in diesem Punkt getroffen.

 

Für uns war auch wichtig, dass wir wussten wie es nach diesen drei Jahren privat weitergeht. Man kann natürlich nicht alles im Detail planen, aber man sollte zumindest darüber reden. Unser Plan wäre, dass wir nach unserer Rückkehr ein Eigenheim schaffen – immerhin geben wir in Österreich unsere Mietkaufwohnung mit Ende Juli auf.

 

Persönliche und berufliche Weiterentwicklung

Ein Auslandsaufenthalt wie unserer bietet nicht nur beruflich sondern auch persönlich viele Chancen. Während eines dreiwöchigen Urlaubs kann man Kulturen ein bisschen kennen lernen aber wirklich mit ihr zu leben ist meiner Meinung nach noch mal ein großer Unterschied. Ich freue mich schon sehr darauf meinen Horizont zu erweitern und mich auf das chinesische Leben einzulassen.

 

Beruflich bietet mir und meinem Schatz der Wechsel nach China auch viel Potential. In meiner alten Firma hätte ich, aufgrund der strengen Vorgaben, ohne Studium keine bzw. sehr begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten gehabt. Und obwohl mir der Job die letzten zehn Jahre sehr viel Spaß gemacht hat, hatte ich diesen Fakt im Hinterkopf. Umso mehr freue ich mich auf die neue Herausforderung. Woraus diese genau besteht, dazu gibt es einen eigenen Post.

 

Finanzielles/Arbeitsvertrag

Last but not least – das Finanzielle. Ohne jetzt über konkrete Zahlen zu sprechen ist klar, dass sich eine derartige Veränderung auch finanziell lohnen sollte. Dies ist auf keinen Fall alleine ausschlaggebend, denn wenn man es nur des Geldes wegen macht, ohne für die fremde Kultur und deren Menschen offen zu sein, kann ich mir nicht vorstellen dass man in dieser Zeit glücklich sein kann und dann können drei Jahre ziemlich lange sein.

Und somit war das Geld für uns anfangs zweitrangig, denn vorher mussten wir für uns die Entscheidung treffen: kann ich mir vorstellen drei Jahre lang im Ausland zu leben? Mit den positiven und negativen Nebenerscheinungen die das Ganze mit sich bringt?

Nachdem wir uns einig bzw. sicher waren, haben wir mit unserem Arbeitgeber das Angebot verhandelt. Hier sollte man nachstehende Punkte beachten (ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen zusammengefasst und ergänzt was mir so noch eingefallen ist was, diese sind sicherlich nicht vollständig):

 

Handelt es sich um einen Entsendungsauftrag oder einen Anstellungsvertrag vor Ort?

Das ist ein wesentlicher Unterschied, denn hierauf basiert die weitere Verhandlungsbasis. Vergleicht man zum Beispiel ein chinesisches mit einem österreichischen Dienstverhältnis unterscheidet sich dieses bei grundlegenden Dingen wie Wochenstunden, Urlaubsanspruch (10 Tage zu 25 Tage) und Versicherungsleistungen.

Man muss auch bedenken, dass bei einem chinesischen Dienstvertrag natürlich keine weitere Einzahlung in die Pensionskasse in Österreich erfolgt und die Zeit des Auslandsaufenthalts dann im Nachhinein fehlt. Natürlich kann man sich selbst weiter versichern, dies ist jedoch nicht gerade günstig (sofern dies noch aktuell ist, monatlich 22,8 % des Bruttogehalts).

 

Erfolgt eine Kranken- bzw. Unfallversicherung vom Arbeitgeber oder ist diese selbst abzuschließen?

Da die gesetzlichen Sozialleistungen in China keineswegs mit der österreichischen Sozialversicherung zu vergleichen sind, ist eine private Kranken- sowie Unfallversicherung auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Werden die Umzugskosten (Container/Luftfracht) vom Arbeitgeber übernommen?

Je nachdem wie viel man gerne mitnehmen möchte (und im Normalfall reicht ein normaler Koffer für einen Langzeitaufenthalt nicht aus) empfiehlt sich ein Versand seiner Habseligkeiten mittels See- oder Luftfracht. Zusätzlich ist noch zu beachten, dass auf gewisse Dinge auch noch ein Importzoll anfallen kann.

 

Wird die Unterkunft vom Arbeitgeber gestellt, erhält man einen Wohnungszuschuss oder ist diese zur Gänze selbst zu bezahlen?

Gerade in Gegenden wie Shanghai und Umgebung sind die Kosten für Wohnungen nicht gerade niedrig, daher sollte man sich vorab informieren wie hoch die Mietpreise für die gewünschte Größe in etwa sind.

 

Sind bezahlte Heimflüge (und wenn ja, wie viele pro Jahr) im Package inkludiert?

 

Gibt es andere Benefits?

Oftmals ist es für Arbeitgeber günstiger Benefits wie ein Firmenhandy oder ein Firmenauto anzubieten als einem mit dem Gehalt noch weiter entgegen zu kommen.

 

Gibt es für die Zeit nach der Rückkehr eine schriftliche Vereinbarung?

Man ist gerade so sehr mit seinem Auslandsaufenthalt beschäftigt dass man vielleicht darauf vergisst über die Zeit danach zu reden. Sollte man einen chinesischen Dienstvertrag bekommen, ist eine schriftliche Wiedereinstellungszusage auf jeden Fall ratsam. Auch wenn sich wahrscheinlich in keiner Firma die Situation in 3 Jahren voraussagen lässt und man vorab keine verbindliche Zusage bekommen wird, sollte über die Position nach der Rückkehr zumindest kurz diskutiert werden.

 

Wie man sieht ist uns Einiges durch den Kopf gegangen was unser Abenteuer China betrifft und wie ihr euch sicher vorstellen könnt hat das zu der einen oder anderen schlaflosen Nacht geführt. Das war aber bei bei weitem nicht alles aber die Punkte wo ich denke, dass sie für Außenstehende am interessantesten sind.

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